Frankfurt - Die anhaltenden Konjunktur- und Schuldensorgen haben dem DAX einen der größten Wochenverluste in seiner über zwanzigjährigen Geschichte eingebrockt. Auch überraschend gute Daten vom US-Arbeitsmarkt reichten am Freitag nur für ein kurzes Strohfeuer. Der DAX schloss um 178,60 Punkte (minus 2,78 Prozent) tiefer auf 6.236,16 Einheiten und damit immerhin über seinem Auftakttief bei 6.152,62 Punkten, wo er den niedrigsten Stand seit Anfang Oktober 2010 markiert hatte. Auf Wochensicht brach das Börsenbarometer um knapp 13 Prozent ein.

Der TecDAX sank um 6,62 Punkte oder 0,91 Prozent auf 717,76 Punkte. Der M-DAX ermäßigte sich 90,07 Punkte oder 0,98 Prozent auf 9.135,22 Zähler. Der HDAX schloss mit 3.166,32 Einheiten und einem Minus von 81,98 Zählern oder 2,52 Prozent. Der C-DAX verlor 14,50 Punkte oder 2,57 Prozent auf 548,97 Zähler. In Europa sah das Bild nicht besser aus: Der Euro-Stoxx-50 büßte 1,54 Prozent auf 2.375,15 Punkte ein. Damit weitete der Leitindex der Eurozone seine Verlustserie auf mittlerweile zehn Tage aus und schloss so schwach wie seit über zwei Jahren nicht mehr. Ähnlich deutlich fielen die Abschläge der nationalen Aktienindizes in Paris und London aus. In New York zeigte sich der Dow Jones Industrial zum europäischen Handelsschluss ebenfalls schwach. Das weltweit wichtigste Börsenbarometer steuert damit auf den zehnten Verlusttag der vergangenen elf Tage zu.

Eine "Handelswoche des Grauens" sah Analyst Gregor Kuhn von IG Markets . "Wohl selten haben Anleger das Wochenende so herbei gesehnt wie am heutigen Freitag". Nachdem die US-Wirtschaft scheinbar zum Stillstand gekommen sei, könnte ein Abgleiten in die Rezession unmittelbar bevorstehen. Der Schuldenkompromiss verschaffe der weltgrößte Volkswirtschaft zwar Zeit, trage aber nichts zur Problemlösung bei, da die Sparmaßnahmen "kaum als Konjunkturspritze dienen dürften". Dazu kämen die Europäer nicht aus ihrer Schuldenkrise heraus. Händler Andreas Lipkow von der Wertpapierhandelsbank MWB Fairtrade kritisierte, dass die Politik "durch ihre teilweise unüberlegten Aussagen eine maßgebliche Mitschuld an den Kursverlusten hat, ob es nun das Thema Italien, USA oder die Aufstockung des europäischen Rettungsfonds geht".

Erholung erhofft

Dennoch hoffen Marktexperten in der kommenden Woche auf eine Erholung. Die Quartalszahlen der Unternehmen dürften ebenso wie die ohnehin spärlichen Konjunkturdaten in den Hintergrund treten. Daher sollten zumindest kurzfristig orientierte Anleger an den Markt zurückkehren, denn der "ist extrem überverkauft", sagte Marktstratege Christian Stocker von der Unicredit. Auf mittlere Sicht bleibt Stocker aber vorsichtig: "Die Wahrscheinlichkeit eines zweiten Rückschlages ist extrem hoch, da bis Mitte/Ende September einige wichtige EU-Entscheidungen anstehen."

Die Anteilsscheine der Allianz verloren am Freitag nach schwächer als erwartet ausgefallenen Quartalszahlen 4,50 Prozent auf 79,10 Euro. Die griechische Schuldenkrise hatte bei Europas größtem Versicherer im zweiten Quartal überraschend stark auf den Gewinn gedrückt. Zu den Aktien, die den Weg ins Plus schafften, gehörten die des DAX-Spitzenreiters Commerzbank mit einem Aufschlag von 3,64 Prozent auf 2,249 Euro.

Dass die EU tags zuvor eine vertiefte Prüfung der Fusionspläne von Deutscher Börse und NYSE Euronext angekündigt hatte, war keine Überraschung. Auch die kommenden Dienstag außerplanmäßig anstehende Anpassung des Streubesitzanteils der Aktie im Dax kommt nicht unerwartet, nachdem zahlreiche weitere Aktionäre ihre Aktien alter Gattung für die Fusion zum Umtausch in Deutsche-Börse-Aktien neuer Gattung angedient hatten. Die Aktie des deutschen Börsenbetreibers sank dennoch am DAX-Ende um 5,30 Prozent auf 43,895 Euro.

Die überraschend vorgelegten Halbjahreszahlen des Mobilfunkanbieters Drillisch wurden von den Anlegern mit Enttäuschung aufgenommen. Der Umsatz war stärker als befürchtet zurückgegangen, die Aktien büßten im TecDAX 9,04 Prozent auf 7,100 Euro ein. Nach enttäuschenden Zahlen des US-Wettbewerbers First Solar und einem gesenkten Gewinnausblick zeigten sich zudem die Aktien deutscher Solarunternehmen extrem schwach. (APA)