Der Jetta hat einen riesigen Kofferraum: 510 Liter!

Foto: Fischer
Foto: Fischer

Link
Volkswagen

Grafik: DER STANDARD

Angesichts des neuen Jetta drängt sich eine Frage an die Wolfsburger auf: Was denn, so fesch darf, so fesch kann ein Jetta sein? Warum mussten wir auf diese Offenbarung über so viele Rucksackgolfgenerationen warten? In der Zwischenzeit wurden wir in Mitteleuropa kompakten Limousinen ästhetisch längst entwöhnt, denen kräht kein Hahn nach, nur bei den Amis (sowie in Süd- und Osteuropa) erfreut sich diese Kategorie anhaltender Beliebtheit.

Gebaut wird der Jetta denn auch in Mexiko, von wo aus man Amiland überschwemmt und den Rest der Welt besprüht. Nun macht zwar diese eine Schwalbe in der Alten Welt noch keinen Sommer, der Jetta könnte aber eine Renaissance des Konzepts bewirken oder zumindest die Erosion des Marktsegments stoppen. In Österreich etwa verkaufte sich der Wagen heuer bis Juli rund 500-mal – im Vergleichszeitraum 2010, das betrifft also den Vorgänger, waren es um die 50 Stück -, und das ist gar nicht einmal so dramatisch weit weg von der Passat-Limousine (800 Stück Jänner bis Juli 2011).

Im Test hatte der STANDARD den 1,6 TDI mit blaumotionalisierter Technik (BMT), was für besonders sparsame Fahrzeuge steht (Start-Stopp inklusive). In unserem Fall ergab sich im üblichen stadt- und autobahnlastigen Testzyklus ein Wert von 5,3 l / 100 km. An diesem Wert gibt es nix zu kritteln, an der Spritzigkeit der Maschine schon eher (wobei auch die lang übersetzte 5-Gang-Schaltung kaum als Temperamentturbo wirkt), der Motor ist mit seinen 105 PS und 250 Nm nicht gerade eine Naturgewalt, da haben die vielgeschmähten Pumpe-Düse-Diesel weiland ganz anders angerissen.

Nach (und neben) Weiß wird zunehmend Braun zur Modefarbe. Schmückt den Jetta jedenfalls nicht übel – der seinerseits besser gekleidet ist als je zuvor.
Foto: Fischer

Was nun den praktischen Nutzen betrifft, so wird man in erster Linie den riesigen Kofferraum erwähnen müssen. 510 Liter, das liegt beispielsweise nur 30 Liter unter einer Mercedes E-Klasse und 20 unter einem Audi A6.

Etliche große Ablagen und Fächer im Innenraum ergänzen den Eindruck des Alltagsnutzens. Und wenn wir schon beim Interieur sind: An den Passat kommt der Jetta zwar nicht heran, der Abstand bleibt also gewahrt. Geboten wird aber Sachlichkeit à la VW bei in der Klasse erstaunlich hochwertiger Materialanmutung, man fühlt sich einfach wohl in diesem Auto.

Lenkung, Handling, Fahrwerk? Kurz gesagt, machen sich hier die Golf-Gene bezahlt. In dem Kapitel verhält sich der 4,64-Meter-Feschak also so souverän, wie ein Auto dieses Segments überhaupt nur sein kann. Der Jetta also. Man trägt wieder Heck. (Andreas Stockinger/DER STANDARD/Automobil/29.07.2011)