Primal Scream führen am Freitag ihr Album „Screamadelica" im Wuk auf. Stück für Stück.

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Seit Jahren schon ist es in Mode, dass Bands klassische Alben in ihrer Gesamtheit live aufführen, in exakter Reihenfolge, vom ersten bis zum letzten Lied. Das freut vor allem Nachgeborene, die manche Band in ihrer hohen Zeit nicht sehen konnten, weil noch mit Lego und Gameboy beschäftigt. Zum Beispiel touren die Pixies mit dem Album "Doolittle" seit einiger Zeit durch die Welt, um dieses 1989 erschienene Album in seiner Gesamtheit nachzuspielen.

In selber Mission ist zurzeit die britische Band Primal Scream unterwegs. Sie führt zum 20-jährigen Jubiläum ihr 1991 erschienenes Meisterwerk "Screamadelica" live auf. Dieses gilt als eines der Schlüsselwerke der 1990er-Jahre, auf dem Mastermind Bobby Gillespie mit Beistand des Produzenten Andrew Weatherall die damals prosperierende Rave-Bewegung mit Rock kreuzte und damit für ein paar wunderbare Songs sorgte - allen voran "Loaded" oder "Come Together", die mit ihrer Mischung aus Drogen-Gospel und Rave bis heute Überzeugungskraft besitzen. Die-Hard-Fans der Band behaupten nicht ganz unberechtigt, dass diese damals schon vor dem Album als Singles erschienen Stücke das Hauptgericht, das folgende Albums bloß die Sättigungsbeilage gewesen wäre. Am Freitag kann man sich diesbezüglich selbst eine Meinung bilden, wenn Primal Scream im Wiener Wuk mit einem "Screamdelica"-Gedenkmoment für alle jene gastieren, die damals "Higher Than The Sun" gewesen waren. Oder noch down in the kindergarden.

Wer eher der Gegenwart zugetan ist, hat am Sonntag im Rhiz die Gelegenheit aufs Hype-Karussell des NME zu springen. Die dort auftretende Band Suuns befindet das englische Musikheftl nämlich als größte Sensation des heurigen Jahres. Wenn man weiß, dass derlei Superlative wöchentlich gedruckt werden, relativiert sich diese Einschätzung wieder, aber die aus New York stammende Band erfreut mit ihrem melodieselig-getriebenen Rock samt Synthie-Gefiepse doch überdurchschnittlich. Distortion-Disco mit dünnem Gesang, den die Band eben auf ihrem Debüt "Zeroes QC" (Vertrieb: Trost) veröffentlicht hat. (flu/DER STANDARD, Printausgabe, 3. 8. 2011)