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Den Absprung vom Regime verpasst: Ali Habib Mahmud

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Das Ausmaß von General Habibs Verwicklung in die Niederschlagung der Proteste ist nicht ganz klar", hieß es bis vor wenigen Wochen in Berichten über den syrischen Verteidigungsminister. Seit Montag - dem Tag nach dem Panzerangriff der syrischen Armee auf die Stadt Hama - steht Ali Habib Mahmud (72) jedoch als viertes syrisches Regierungsmitglied auf der EU-Sanktionsliste: Er darf nicht mehr in die Europäische Union einreisen, und sein Vermögen, so er eines in der EU hat und es auffindbar ist, wird eingefroren.

Der General, von dem kaum etwas bekannt ist, was nicht seine Armeekarriere betrifft - außer, dass er vier Söhne hat -, war bisher im Westen ein eher unbeschriebenes Blatt, obwohl er alle wichtigen militärischen Stationen der jüngeren syrischen Geschichte mitgemacht hat. 1959 war der in der alten Templerstadt Tartus Geborene in die Armee eingetreten, 1962 schloss er die Militärakademie ab.

1973 fasste er für seine Teilnahme am "October Liberation War" - wie der Oktober-Krieg in der syrischen Propaganda genannt wird, obwohl ja der Großteil des von Israel 1967 eroberten Golan nicht "befreit" wurde - Orden aus. 1982 führte er die syrischen Truppen gegen die israelische Invasion im Libanon in die Schlacht von Sultan Yacoub in der Bekaa-Ebene.

Aber 1991 war er auch aus westlicher Sicht auf der richtigen Seite: Er nahm am syrischen Einsatz im Golfkrieg teil, der Iraks Saddam Hussein aus Kuwait vertrieb. Danach wurde in den internationalen Medien aus dem "Diktator" und "Massenmörder" Hafiz al-Assad der "Präsident". Es geht auch umgekehrt, wie Bashar al-Assad beweist.

Ali Habib Mahmud, der auch im Zentralkomitee der Baath-Partei sitzt, wurde 1994 Kommandant der Spezialtruppen, 2002 Vize- und 2004 Generalstabschef. 2009 berief ihn Assad ins Verteidigungsministerium. Gleichzeitig wurde Daoud Raja als erster (griechisch-orthodoxer) Christ zum Generalstabschef gekürt: Es war wohl der Ausgleich dafür, dass mit General Habib ein Angehöriger der religiösen Gruppe der Alawiten den höchsten Verteidigungsposten erhielt.

Trotz Ali Habibs Verflechtung mit dem Regime setzte etwa die National Initiative for Change (NIC), eine liberale Exilgruppe, ihre Hoffnungen darauf, dass der westlich orientierte Berufssoldat sich von Assad abwenden könnte. Das rettete ihn in früheren EU-Sanktionsrunden. Mit dem Massaker in Hama hat er sich den Absprung jedoch wohl verbaut. (Gudrun Harrer, DER STANDARD, Printausgabe, 3.8.2011)