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Die Schweizer machen sich Sorgen um ihre Wirtschaft.

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Wien - Die Schweizer Nationalbank (SNB) lockert im Kampf gegen den starken Franken ihre Geldpolitik. Angesichts der rasanten Aufwertung des Schweizer Franken spielt die SNB einen ihrer letzten Trümpfe aus: Die Währungshüter senkten am Mittwoch unerwartet ihren Leitzins, um den Höhenflug der Devise zu stoppen. Das Zielband für den Dreimonats-Libor, einen der wichtigsten Zinssätze auf dem Interbankenmarkt, werde von 0,0 bis 0,75 Prozent auf 0,0 bis 0,25 Prozent verengt, teilte die Schweizer Nationalbank (SNB) mit. Gleichzeitig will die Notenbank Geld in den Markt pumpen. Dazu sollen die Kontobestände der Geschäftsbanken bei der SNB um 50 Mrd. Franken auf 80 Mrd. Franken ausgeweitet werden.

Der Franken, der als Fluchtwährung gilt, hatte in der Nacht gegenüber dem Euro mit 1,0790 Franken ein neues Rekordhoch markiert. Im vergangenen Jahr hat der Euro rund 25 Prozent an Wert gegenüber dem Franken verloren - allein in der vergangene Woche betrug der Verlust rund vier Prozent. Vor einem Jahr bekam man für einen Euro 1,40 Franken. Derzeit sind es nur 1,10. Als Hauptursache der Euroschwäche gelten die Probleme in den Schuldenländern Italien und Co.  Nach Bekanntgabe der Sofortmaßnahmen verteuerte sich der Euro auf 1,0980 Franken. Die SNB erklärte ausdrücklich, sie behalte sich weitere Maßnahmen vor.

Massiv überbewertet

Die Nationalbank betrachte die heimische Währung zur Zeit als massiv überbewertet, hieß es in der Mitteilung. Die gegenwärtige Frankenstärke bedrohe die Wirtschaftsentwicklung und erhöhe die Risiken für die Preisstabilität. Außerdem hätten sich die globalen Wirtschaftsaussichten eingetrübt, während die Aufwertung des Frankens sich in den letzen Wochen rapid beschleunigt hätte.

In der Schweiz hatten Industrie, Einzelhandel und Gewerkschaften zuletzt immer lauter ein Eingreifen von Politik und SNB gefordert, da die Talfahrt des Euro auf die Gewinnmargen der Firmen drückt und die Konsumenten zum Einkauf ins nahe EU-Ausland treibt. Swatch-Chef Nick Hayek, einer der vehementesten Warner vor den Risiken des starken Frankens, begrüßte den SNB-Schritt: "Das ist wunderbar. Die Spekulanten sollen sich zusammenreißen", sagte er Reuters.

Volkswirt Lutz Karpowitz von der Commerzbank glaubt nicht, dass dieser Schritt ausreichen wird: "Das ist ein ganz klares Statement. Das ist alles was sie noch tun kann - normalerweise können sie nicht unter null gehen. In der Stellungnahme sagt die SNB, dass sie weitere Massnahmen ergreifen würden, sollte dies nicht genug sein. Ich glaube, die Wahrscheinlichkeit weiterer Interventionen ist sehr hoch. Es ist eher unwahrscheinlich, dass eine Absenkung der Zinsen auf null ausreichend sein wird."

Die Notenbank hat sich mit früheren Interventionen bereits ein blaues Auge geholt. Sie hatte im Vorjahr mit Milliardenbeträgen gegen die Talfahrt des Euro interveniert und deswegen einen Jahresverlust von gut 19 Milliarden Franken eingefahren. Ihre letztlich erfolglosen Bemühungen hatten der Notenbank - allen voran ihrem Präsident Philipp Hildebrand - herbe Kritik von politischer Seite eingebracht. (Reuters/red)