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Das Café Landtmann wird Stück für Stück generalüberholt.

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So werden etwa die 80 Tische, die wie die Sessel noch aus dem Jahr 1873 stammen, wieder auf Vordermann gebracht, da sie im Laufe der Zeit "schief" geworden sind. Außerdem wird das gesamte Kaffeehaus mit neuen Vorhängen ausgestattet.

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Gleich einen neuen "Touch" bekommt das "Löwelzimmer": Derzeit ist der Raum in der Farbe Schilfgrün gehalten, künftig soll er in weiß erstrahlen. Stuckleisten und Art-Deco-Elemente werden vergoldet, außerdem wird die Beleuchtung des Raumes auf den neuesten Stand gebracht.

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Betreiber Bernd Querfeld, als VP-Wirtschaftsbund-Vertreter auch oberster Wiener Kaffeesieder, setzt dabei auf österreichische Handwerksbetriebe.

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Es ist eine Wiener Institution - vor allem als Kaffeehaus, aber auch als regelmäßiger Treffpunkt der Hauptstadt-Medienmenschen: Schließlich finden im Café Landtmann täglich zahlreiche Pressekonferenzen statt. Am heutigen Mittwoch lud Chef Berndt Querfeld allerdings ausnahmsweise einmal in eigener Sache in sein Traditions-Café am Dr.-Karl-Lueger-Ring: Im August wird das bekannte Kaffeehaus nämlich umfassend renoviert. Querfeld, der auch Obmann der Fachgruppe der Wiener Kaffeesieder ist, steckt zwischen 100.000 und 150.000 Euro in neue Sitzbezüge sowie in die Generalüberholung der noch aus 1873 - dem Jahr der Eröffnung des Cafés - stammenden Tische und Thonetstühle.

Vergrößerung wird angedacht

Auch an eine buchstäbliche Aufstockung der Gasträume wird gedacht: Im Zuge eines Wasserrohrbruches im Stockwerk über dem Café habe man nämlich wunderschöne Salons entdeckt, die früher eine Anwaltskanzlei beherbergten, heute jedoch leer stehen. Die insgesamt 180 Quadratmeter großen Räume "waren früher die Salons des Hauses, und jetzt vielleicht schon bald die Landtmann-Salons", so Querfeld. Mit dem Hausbesitzer, der Wlaschek-Stiftung Amisola (die kürzlich das Schlosshotel Velden erworben hat), sei man schon in Verhandlungen, eine Entscheidung steht in Kürze an.

Wieviel es kosten würde, die Salons in Altwiener Kaffeehausatmosphäre zu hüllen, weiß Querfeld allerdings noch nicht. Wo früher prachtvolle Gemälde hingen, sind derzeit nämlich nur noch die Nägel zu sehen - "und da ist die Frage, ob ich zum Altwarenhändler gehe, oder ins Dorotheum". 

Denkmalschutz

Die Familie Querfeld, die heute an acht Wiener Standorten Cafés bzw. Patisserien betreibt, übernahm das Landtmann im Jahr 1976. In den 1980er-Jahren wurde zuletzt umfassend renoviert, davor fand 1929 eine Komplettrenovierung statt, in deren Zuge das Café auch die heute denkmalgeschützte Innenausstattung, etwa die charakteristische Holzvertäfelung, bekam.

Größter Posten der anstehenden Renovierung wird der Austausch der Sitzbezüge. "Fast jedes Wiener Traditionscafé hat ja sein eigenes Motiv", so Querfeld; der Stoff mit Blattmuster, der sich auf den Sitzbänken des Landtmann findet - Wollvelours, also echte Schurwolle -, stammt von der niederösterreichischen Firma Backhausen. Tausend Laufmeter zu je rund 50 Euro werden dort extra für das Landtmann gewoben, "das ist also eine teure Angelegenheit", meint Querfeld. Etwas weniger teuer ist die Ausstattung sämtlicher 80 Logen des Kaffeehauses mit Steckdosen, die auf der Beantwortung einer grundsätzlichen Frage beruht, so Querfeld: "Wollen die Leute eher Ruhe im Café, also auch keine Handys, oder doch eher einen Arbeitsplatz mit WLan?" Es sei dann die Entscheidung hin zum Arbeitsplatz gefällt worden, erzählt der oberste Wiener Cafetier. WLAN sei schon seit fünf Jahren - "wie übrigens in den meisten Innenstadt-Cafés" - gratis verfügbar, nun folgen eben auch die Steckdosen "zur Auflademöglichkeit der diversen elektronischen Devices".

Sanierung Peu à peu

Renoviert wird übrigens bei laufendem Betrieb, nacheinander werden im Gastraum einzelne Logen gesperrt und in Angriff genommen. Querfeld hofft nun auf schönes Wetter, damit die Besucher im Wintergarten oder im Schanigarten sitzen können. Anfang September soll alles fertig sein.

In seiner Eigenschaft als Fachgruppen-Obmann äußerte sich Querfeld am Mittwoch auch zur anstehenden Sperrstunden-Ausweitung in Wien. Wie berichtet, haben sich Stadt und Wirtschaftskammer auf eine Ausdehnung bei Unterhaltungsbetrieben von 4 auf 6 Uhr geeinigt, in Sachen Kaffeehäuser soll es im Herbst zu Gespräche mit der Stadt kommen. Querfeld sieht wenig Handlungsbedarf für eine Rund-um-die-Uhr-Öffnung, wie dies beispielsweise in Niederösterreich möglich ist, auch wenn "einige wenige" seiner 2.800 Mitglieder in der Kaffeesieder-Innung dies befürworten würden. Derzeit dürfen Kaffeehäuser in Wien von 6 Uhr früh bis 2 Uhr nachts geöffnet halten, allerdings ist es schon jetzt möglich, bei der Polizei eine Sondergenehmigung zu beantragen. Das Landtmann sperrt täglich um 7:30 Uhr auf und schließt um Mitternacht. (map, derStandard.at, 3.8.2011)