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Der Arbeitgeber kann das Tragen einer Goldkette, wie hier auf einem Symbolfoto, verbieten, wenn es in der Branche nicht üblich ist.

Foto: AP/Kramer

"Dürfen die männlichen Mitarbeiter in einer Firma Shorts tragen?", fragt eine Userin via Mail. Und: "Dürfen Mitarbeiter mit Flip-Flops ins Büro kommen?" Solche Fragen sind nicht explizit geregelt, einen entsprechenden Passus im Gesetz gibt es nicht. Prinzipiell gilt: "Der Arbeitgeber hat das Weisungsrecht, den Kleidungsstil seiner Arbeitnehmer zu bestimmen", erklärt Michaela Windisch-Graetz, Universitätsprofessorin am Institut für Arbeits- und Sozialrecht in Wien. 

Schutzkleidung ist Pflicht

In puncto Arbeitskleidung müssen branchenspezifische Regelungen beachtet werden, meint Windisch-Graetz gegenüber derStandard.at: "Auf der Baustelle darf natürlich nicht mit Flip-Flops gearbeitet werden." Sicherheitsvorschriften haben Priorität: "Schutzkleidung muss getragen werden." Flip-Flops oder Shorts können aber auch in anderen Umgebungen zum Tabu erklärt werden. Im Grunde überall, denn: "Das Weisungsrecht des Arbeitgebers geht sehr weit." Es bedarf keiner schriftlichen Vereinbarung, mündliches Kommunizieren reicht. Wo das Weisungsrecht an Grenzen stößt, kommen Fragen der Sittenwidrigkeit und des Persönlichkeitsrechts ins Spiel.

"Es darf zum Beispiel nicht verlangt werden, dass Kellnerinnen oben ohne oder ohne Unterhose servieren", erzählt Windisch-Graetz von einem klassischen Fall, der "gar nicht so selten vorkommt", wo Persönlichkeitsrechte, die die Intimität schützen, nicht aus den Angeln gehoben werden dürfen. Peter Hosner, Leiter der Rechtsabteilung der Arbeiterkammer Oberösterreich, bestätigt: "Das wäre sittenwidrig." Genauso wie etwa die Order, dass nur mit "extrem kurzen Miniröcken" gekellnert werden darf. Im Gastgewerbe nicht unbedingt unüblich, so Hosner.

Religiöse Symbole

Weitere Schranken werden Arbeitgebern etwa bei religiösen Symbolen auferlegt. Das offensichtliche Tragen dieser könne nicht einfach ohne weiters untersagt werden. Es sei denn, Sicherheitsbestimmungen im Sinne des Arbeitnehmerschutzes würden konterkariert. "Wenn es zum Beispiel um Kopftücher und die Arbeit mit Maschinen geht", präzisiert Arbeitsrechtsexpertin Windisch-Graetz. Hier gehe es um Gefahrenpotenzial, das minimiert werden müsse.

Detto verboten sind Schikanen, die das Diskriminierungsrecht tangieren. "Zu verlangen, dass sich Dunkelhäutige für den Job die Haare heller färben sollen, ist nicht zulässig." Ein Fall von ethnischer Diskriminierung. Ein Fall von geschlechtlicher Diskriminierung wäre es theoretisch, wenn sich Frauen die Achselhaare rasieren müssten, Männer aber nicht. Etwa für Jobs, bei denen es kleidungstechnischer Usus ist, mit Spaghettiträgern herumzurennen. Das sein kein Fall von möglicher geschlechtlicher Diskriminierung, glaubt Peter Hosner, so eine Anweisung würde bereits den Persönlichkeitsrechten widersprechen. Egal ob Frau oder Mann: Rasierte Achselhaare könnten nicht zum Muss erklärt werden.

Bankangestellter mit Goldkette

Im Idealfall werden Vorschriften bezüglich des Kleidungsstils innerbetrieblich geregelt. Präzedenzfälle, die Entlassungen als Anlässe fürs Ausjudizieren haben, existieren wenige. Kommt es zu keinem Konsens zwischen Mitarbeitern und der Chefetage, ist man mit einer Kündigung auf der sicheren Seite. Die ist jederzeit und ohne Angabe von Gründen möglich. Was ausjudiziert wurde, ist der so genannte "Goldketterl-Fall", der vor einigen Jahren die Justiz beschäftigte.

Ein Bankmitarbeiter weigerte sich, auf das Tragen einer 65 Zentimeter langen und ein Zentimeter dicken Goldkette zu verzichten. Mit dem Argument, dass der "Krawattenersatz" ein Erbstück seines kürzlich verstorbenen Bruders sei, das er nicht ablegen wolle. Er arbeitete im Blickfeld der Kunden, die Goldkette war gut sichtbar. Für den Chef ein Entlassungsgrund, da der Mitarbeiter seine Anweisung, die Kette zu entfernen, nicht befolgte. Die Causa ging bis zum Obersten Gerichtshof, der im Sinne der Bank entschied. Es sei legitim, auf "branchenübliche" Bekleidung zu bestehen. Image und Seriosität hätten Vorrang.

Andere Regeln bei Kundenkontakt

"Gerade bei Branchen mit Kundenkontakt darf der Arbeitgeber mehr verlangen", erklärt Windisch-Graetz den Ausgang des Falls. Genauso, wenn es um die Corporate Identity eines Unternehmens geht. "Uniformen oder eine einheitliche Kleidung für Verkäufer können natürlich vorgeschrieben werden."

"Es muss immer der Einzelfall geprüft werden", sagt Peter Hosner. Im Prinzip ist jede sichtbare Tätowierung ein Einzelfall. Schließlich können Chefs darauf bestehen, dass Mitarbeiter ihre Tattoos verdecken; wenn sie in Kontakt mit Kunden kommen. (om, derStandard.at, 3.8.2011)