Beeindruckend, auch wenn es sich nur um einen kleinen Teil der neu entdeckten offenen Sternhaufen handelt - ganz zu schweigen davon, was noch im Verborgenen glost.

Foto: ESO/J. Borissova

Garching - Ein internationales Astronomenteam hat mithilfe von Daten des Infrarot-Durchmusterungsteleskops VISTA am Paranal-Observatorium der ESO insgesamt 96 neue offene Sternhaufen in unserer Milchstraße entdeckt, die bislang von dichtem Staub verborgen waren. Die empfindlichen Infrarotdetektoren des weltgrößten Durchmusterungsteleskops, die durch Staub hindurch sehen können, ermöglichten die bis dato umfangreichste Entdeckung so vieler lichtschwacher, kleiner Sternhaufen auf einen Schlag.

Die Entdeckung der Sternhaufen wurde genau ein Jahr nach Beginn des Beobachtungsprogramms "VISTA Variables in the Via Lactea" (VVV) bekannt gegeben, einer der sechs großen Durchmusterungen, die mit dem neuen Teleskop durchgeführt werden. Demnächst wird in der Fachzeitschrift "Astronomy & Astrophysics" ein Artikel über die Entdeckung erscheinen. "VISTA und der VVV sind hervorragend dazu geeignet, Sternhaufen zu finden, insbesondere diejenigen, die sich in den staubreichen Sternentstehungsgebiete in der Milchstraßenebene verbergen. Der VVV dringt dabei tiefer in diese Himmelsregionen vor als andere Durchmusterungen", erklärt Jura Borissova, die Erstautorin des Artikels.

Stichwort "offene Sternhaufen"

Der Großteil der Sterne, die mehr als eine halbe Sonnenmasse besitzen, entsteht in größeren Gruppen, so genannten offenen Sternhaufen. Bislang sind in der Milchstraße erst 2.500 offene Sternhaufen identifiziert - bekannte Beispiele sind etwa die Plejaden oder die Hyaden. Die Astronomen schätzen aber, dass sich hinter Staub und Gas bis zu 30.000 weitere Haufen verbergen.

Solche Sternhaufen bilden sich nur in sehr staubreichen Gegenden des Alls, und das erschwert ihre Beobachtung: Staubregionen zerstreuen und verschlucken das Licht, das die jungen Sterne in ihrem Inneren aussenden. Diese Sterne sind daher unsichtbar für die meisten Himmelsdurchmusterungen - nicht aber für das VISTA-Teleskop mit seinen 4,1 Metern Durchmesser, das im Bereich des infraroten Lichts arbeitet.

Wie man einen Sternhaufen herausschält

"Um den allerjüngsten Sternhaufen auf die Spur zu kommen, haben wir unsere Suche auf bekannte Sternentstehungsregionen konzentriert. Tatsächlich haben die hochempfindlichen Infrarotdetektoren von VISTA genau dort viele bis dahin unbekannte Objekte in Bereichen nachweisen können, die bei früheren Himmelsdurchmusterungen im sichtbaren Licht leer zu sein schienen", ergänzt Dante Minniti, der Leiter des VVV-Programms.

Mithilfe von sorgfältig optimierter Software gelang es dem Team, die Vordergrundsterne in den Bildern zu eliminieren, die nicht Teil des Sternhaufens sind, sondern nur zufällig von der Erde aus gesehen vor dem Haufen stehen. So konnten die Wissenschafter anschließend die echten Haufenmitglieder zählen. Dann ermittelten die Astronomen anhand der Aufnahmen den Durchmesser der Sternhaufen sowie, bei den Haufen mit ausreichend großer Mitgliederzahl, die Entfernung, das Alter und die Rötung des Sternlichts durch den interstellaren Staub zwischen ihnen und uns.

"Wir haben herausgefunden, dass die meisten dieser Sternhaufen sehr klein sind und aus gerade einmal zehn bis zwanzig Sternen bestehen. Verglichen mit typischen offenen Sternhaufen sind sie sehr lichtschwach und stark konzentriert. Der Staub verdunkelt ihr Licht um einen Faktor 10.000 bis 100 Millionen. Kein Wunder, dass man sie bisher nicht entdeckt hat", erläutert Radostin Kurtev aus dem Astronomen-Team. So dürften diese 96 Neuentdeckungen nur die Spitze des Eisberges sein: "Ich bin zuversichtlich, dass wir bald fündig werden und dass noch viele weitere Haufen hinzukommen", schließt Borissova. (red)