Wien - Nur noch mit Master-Titel Servierkunde unterrichten? Ausschließlich Masterköche am Lehrherd in der Tourismusschule, weil Meisterkoch nicht mehr genügt?

Von der Wirtschaftskammer kommt ein klares Nein zu den Plänen für die neue Lehrerbildung, die für jede Pädagogin und jeden Pädagogen, vom Kindergarten bis zu den maturaführenden Schulen, in Zukunft den Abschluss eines Master-Studiums vorsehen.

Wie der Standard berichtete, sollen Pädagogen nur noch mit "Master" , so die Empfehlung der ministeriellen Vorbereitungsgruppe für die "PädagogInnenbildung neu", "alleinverantwortlich tätig" sein dürfen und unbefristete Dienstverhältnisse bekommen.

"Man kann nicht den ,Master für alle‘ auch für alle Berufsschulen sowie alle BMHS, die berufsbildenden mittleren und höheren Schulen, vorschreiben" , sagt dazu Christoph Ascher, Referent für Bildungspolitik in der Wirtschaftskammer Österreich (WKÖ), im Standard-Gespräch.

Warum nicht? "Ein Koch soll eine Master-Thesis schreiben, um Kochen zu lehren, oder ein Werkstättenleiter ein Master-Studium absolvieren?" , fragt Ascher und hält das weder inhaltlich für sinnvoll, noch praktisch schaffbar.

Viele Lehrende in den berufsbildenden Schulen kommen aus der Wirtschaft als Praktiker, die unterrichten, nachdem sie pädagogisch nachqualifiziert wurden. "Da kriegen wir auch Leute, aber wenn die in Zukunft eine wissenschaftlich anspruchsvolle Master-Arbeit abliefern müssen, um unterrichten zu dürfen - wer soll sich das antun?" An einen Schmalspur-Master für Lehrer, der den üblichen akademischen Standards nicht entspreche, sei ja wohl hoffentlich nicht gedacht bei der neuen Lehrerausbildung, hofft der WKÖ-Bildungsexperte.

Ascher fordert eine Ausrichtung der neuen Ausbildung an der "Wirkungsorientierung" . Nur die formale Höherqualifizierung, verbunden mit "akademischer Abschlusssucht", werde nicht automatisch zu besserem Unterricht und besseren Leistungen führen.

In einem Bereich fordert die Wirtschaftskammer aber mehr Qualifikationserfordernisse: bei den "Fachtheoretikern" . Das sind zum Beispiel Architekten oder Diplomchemiker, die in HTLs fachtheoretische Fächer unterrichten. Derzeit hätte diese Lehrergruppe eine "relativ kurze pädagogische Nachqualifizierungsphase", sagt Ascher und spricht sich dafür aus, diese in Zukunft auszuweiten.

Betroffen ist davon übrigens jenen Sektor des Schulbereichs, den die meisten Schüler besuchen. Rund 80 Prozent der Jugendlichen befinden sich in einer Form der Berufsausbildung - rund 40 Prozent als Lehrlinge und etwa 40 Prozent als BMHS-Schüler. (Lisa Nimmervoll, DER STANDARD; Printausgabe, 5.8.2011)