London - Die hohen Rohstoffpreise haben dem britisch-australischen Bergbaukonzern Rio Tinto einen Rekordgewinn im ersten Halbjahr beschert. Der Überschuss stieg im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 30 Prozent auf 7,6 Mrd. US-Dollar (5,55 Mrd. Euro), wie das Unternehmen am Donnerstag in London mitteilte. Produktionsrückgänge vor allem bei Kupfer und Kohle aufgrund von Unwettern, wie dem verheerenden Überschwemmungen in Australien zu Jahresbeginn, machte Rio Tinto dank gestiegener Preise mehr als wett. Auch die Konkurrenten Vale und Anglo American hatten in den ersten sechs Monaten dieses Jahres ihren Gewinn kräftig gesteigert.

Analysten hatten bei Rio Tinto mit einem noch besseren Ergebnis gerechnet. Die Aktie, die wegen wachsender Sorgen um die Weltwirtschaft seit Tagen unter Druck steht, verlor auch am Donnerstag tagsüber weiter. Da halfen auch Ankündigungen, den Aktionären mehr Geld zurückzugeben, nicht. Der Konzern will seine Halbjahresdividende um 9 Cent auf 54 Cent erhöhen und zudem sein Aktienrückkaufprogramm um 2 Mrd. auf 7 Mrd. Dollar aufstocken.

Schuldenkrise als große Unbekannte

Vorstandschef Tom Albanese äußerte sich vorsichtig zur weiteren Entwicklung. Grundsätzlich ist er bis ins kommende Jahr hinein optimistisch. Er gehe davon aus, dass die Märkte seines Unternehmens überdurchschnittlich wachsen werden. Allerdings nehme die Schwankungsanfälligkeit zu. Albanese verwies etwa auf die Schuldenkrisen. Gleichzeitig wächst vor allem in China die Nachfrage. Diese stößt auf ein knappes Angebot, da die Bergbauunternehmen ihre Förderung nicht so schnell erhöhen können. Das lässt die Rohstoffpreise steigen.

Wegen der knapp vier Mrd. Dollar teuren Übernahme des australischen Kohleförderers Riversdale stiegen die Schulden erstmals seit der Wirtschaftskrise an - von 4,1 Mrd. auf 8,6 Mrd. Dollar. Es gibt kaum Zweifel, dass der Konzern diese angesichts seines hohen Mittelzuflusses aus dem laufenden Geschäft schnell wieder abtragen wird.

Das war in Wirtschaftskrise 2008/2009 noch anders. Der Einbruch hatte das Unternehmen schwer getroffen. Besonders der rund 40 Mrd. Dollar teure Kauf des Aluminumkonzerns Alcan 2007 brachte Rio Tinto in große Schwierigkeiten. Der Konzern musste in seiner Not zu einer Kapitalerhöhung greifen, um Schulden abzubauen. Zudem trennte sich das Unternehmen von vielen kleineren Sparten. Zwischenzeitlich wurde sogar über eine höhere Beteiligung des chinesischen Staatskonzerns Chinalco verhandelt. Inzwischen steht Rio Tinto besser da denn je. Im Vergleich zur ersten Hälfte 2009 hat sich der Gewinn nun fast verfünffacht. (APA)