Tunis - Zu schweren Unruhen mit mehr als vierzig Verletzten ist es am Donnerstag im Südosten Tunesiens gekommen. Auslöser der Zusammenstöße in der Ortschaft Jebeniana in der Region Sfax sei ein Autodiebstahl gewesen, gab das Innenministerium in Tunis am Freitag bekannt. Vergangene Woche war der Ausnahmezustand in dem nordafrikanischen Land von der Übergangsregierung unter Premierminister Beji Caid Essebsi auf unbegrenzte Zeit verlängert worden.

Die Regierung in Tunis sieht in den immer wieder aufflammenden Unruhen einen gesteuerten Destabilisierungsversuch. Den Unruhestiftern gehe es darum, die Wahlen zur Konstituierenden Nationalversammlung im Oktober zu torpedieren, hatte Essebsi erklärt und eine "ausländische Mitwirkung" angedeutet, ohne dies näher zu erläutern.

Zu blutigen Ausschreitungen war es zuletzt auch in Sidi Bouzid gekommen, wo der "Arabische Frühling" nach der Selbstverbrennung eines jungen Mannes Ende vorigen Jahres seinen Ausgang genommen hatte. Die Verzweiflungstat in dem Ort rund 250 Kilometer südlich von Tunis rüttelte Hunderttausende Tunesier auf und führte wenige Wochen später zur Entmachtung von Diktator Zine El Abidine Ben Ali, der nach Saudi-Arabien flüchtete.

Die am 2. August abgelaufene Frist für die Registrierung der Stimmbürger wurde unterdessen bis 18. August verlängert, nachdem sich nur 1,9 Millionen Bürger in die amtlichen Wählerlisten haben eintragen lassen. Nach Schätzungen der Behörden dürfte sich die Zahl der Wahlberechtigten, einschließlich der Auslands-Tunesier, auf 7,9 Millionen belaufen. Die früheren, weitgehend als gefälscht angesehenen Listen des Innenministeriums wurden für ungültig erklärt. (APA/AFP)