Standard: Warum wird Italien von Spekulanten ins Visier genommen?

Onofri: Ausschlaggebend war die Haltung der Regierung nach der Wahlschlappe bei den Gemeinderatswahlen. Um die Wählergunst wiederzugewinnen, hat Premier Silvio Berlusconi Steuersenkungen versprochen. Dies war für die ausländischen Investoren, die rund 52 Prozent der italienischen Staatstitel haben, eine Ohrfeige. Sie haben Vertrauen in die Regierungspolitik verloren. Auch die kürzlich verabschiedeten Sparmaßnahmen, die sich auf 2013/14 konzentrieren, wurden vom Markt nicht akzeptiert.

Standard: Was müsste Rom nun unternehmen?

Onofri: Zunächst müssten die horrend hohen Kosten der Politik gesenkt werden. Dann müsste die Liberalisierung des Arbeitsmarktes und eine Steuerreform eingeleitet werden. Bislang begnügte sich die Regierung damit, soziale Errungenschaften abzubauen. Dies hat im In- und Ausland ein negatives Echo gehabt.

Standard: Gibt es eine Alternative zur gegenwärtigen Regierung?

Onofri: Vorerst nein. Die Opposition ist noch nicht bereit Verantwortung zu übernehmen.

Standard: Die Krise rund um Italien wird sich also noch zuspitzen?

Onofri: Ich befürchte ja. (Thesy Kness-Bastaroli, DER STANDARD, Print-Ausgabe, Thesy Kness-Bastaroli, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 6./7.8.2011)