FPÖ-Politiker rühmen sich zu Recht, die "Sprache des Volkes" zu sprechen. Selbst in ihren peinlichsten Momenten drücken sie sich so aus, dass der Wähler von nebenan mitkommt. In lebhafter Erinnerung bleibt etwa jener Exfunktionär, der sich im Erklärungsnotstand für dubiose Provisionen "supernackt" fühlte und treuherzig fragte: "Wos woar mei Leistung?" Ähnlich einprägsam ist Uwe Scheuchs Bekenntnis, dass eine Staatsbürgerschaft für russische Investoren "no na ned Part of the Game" sei.

Genau das ist ein Problem für die FPÖ. Bei der Affäre Scheuch geht es nicht etwa um komplexe Schiebereien über Offshore-Konten, die Causa ist simpel. Politiker haut Geldsack um Kohle an: So hat das der Richter verstanden, so werden das auch viele Stammtischrunden verstehen.

Nicht dass der Sachverhalt die Leute überraschen wird. Viele Wähler halten Politiker zu Unrecht generell für Nehmer. Doch die Blauen wollten ja anders sein als die "Altparteien". Diesen Nimbus setzt nicht nur Scheuch, sondern auch Parteichef Heinz-Christian Strache aufs Spiel. Seine krausen Verschwörungstheorien, die den in Erstinstanz Verurteilten zum Märtyrer stilisieren, werden blaue Kernschichten beeindrucken, aber keine Wechselwähler.

Passt das zum seriösen Kanzlerkandidaten, den Strache spielen wollte? Der Umgang mit Scheuch legt nahe: Es geht ihm nicht wirklich um einen Umbau der FPÖ zur einer moderateren Rechtspartei, sondern lediglich um Kosmetik. (STANDARD-Printausgabe, 6./7.8.2011)