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Gebäude der Ratingagentur "Standard & Poor's" in New York.

Foto: REUTERS/Brendan McDermid/Files

Washington - Trotz der Einigung im US-Schuldenstreit hat die Ratingagentur Standard & Poor's (S&P) die Kreditwürdigkeit der USA erstmals herabgestuft. Die Bonitätsnote für die weltgrößte Volkswirtschaft werde um eine Stufe von AAA auf AA+ gesenkt, teilte die Agentur am Freitag (Ortszeit) in Washington mit. Das US-Finanzministerium warf dem Unternehmen Berechnungsfehler vor.

Nicht die richtigen Maßnahmen

Es gebe "politische Risiken", dass die USA nicht die nötigen Maßnahmen ergreifen würden, um das Haushaltsdefizit in den Griff zu bekommen, erklärte Standard & Poor's. Die Kürzungen gingen nicht weit genug. Auch die "Berechenbarkeit der amerikanischen Politikprozesses" (policymaking) müsse infrage gestellt werden, heißt mit Blick auf das langwierige Gezerre zwischen Regierungslager und Opposition. Daher seien auch die Aussichten negativ, so dass die Bewertung weiter abgesenkt werden könnte. Es ist das erste Mal seit der Gründung des Unternehmens 1941, dass die USA von Standard & Poor's nicht mit der Bestnote AAA bewertet werden. Die Agentur gilt als die einflussreichste unter den drei großen Ratingagenturen.

Erhöhung des Schuldenlimits

Der nach wochenlangem Tauziehen zwischen Demokraten und Republikanern erreichte Schuldendeal sieht eine Erhöhung des Schuldenlimits von derzeit 14,3 Billionen Dollar (10.102 Mrd. Euro) vor. Dies solle mit Sparmaßnahmen in Höhe von 2,5 Billionen Dollar einhergehen. S&P hatte aber bereits zuvor gewarnt, es seien Einsparungen in Höhe von vier Billionen notwendig. Die Agentur hatte Mitte Juli angekündigt, die US-Bonitätsnote zu überprüfen und eine Herabstufung vom Ausgang des Schuldenstreits abhängig gemacht.

Kritik des US-Regierung

Die US-Regierung kritisierte die S&P-Entscheidung. Ihre liege ein Rechenfehler zugrunde, sagte ein Sprecher der Finanzministeriums. Eine Beurteilung, die mit einem Fehler von zwei Billionen Dollar behaftet sei, spreche für sich. In Regierungskreisen hieß es, die Agentur habe die Zahl zwar aus ihrer Analyse gestrichen, der Fehler lasse aber an ihrer Glaubwürdigkeit zweifeln.

Die US-Notenbank erklärte, Auswirkungen auf die Konjunkturstützen der Federal Reserve wie das Notkreditprogramm und das Programm zum Aufkauf von Anleihen gebe es nicht. Auch gebe es keine Änderungen für die Banken im Umgang mit US-Bonds.

US-Medien berichteten, die US-Regierung habe sich bis zuletzt vehement gegen die Herabstufung durch Standard & Poor's zur Wehr gesetzt. Neben dem gigantischen Staatsdefizit ist die US-Ökonomie von weiteren Schuldenproblemen geprägt: Die Verbraucher - sie tragen die Wirtschaftsleistung der größten Volkswirtschaft zu 70 Prozent - konsumieren seit Jahren auf Pump.

Note mit negativer Tendenz versehen

Die US-Ratingagentur Moody's hatte am Dienstag mitgeteilt, angesichts der Lösung im Schuldenstreit die Kreditwürdigkeit der USA weiterhin mit ihrer Bestnote "Aaa" zu bewerten. Die Note werde aber mit einer negativen Tendenz versehen. Moody's warnte, es bestehe das Risiko einer Herabstufung, falls die Budgetdisziplin in den USA im nächsten Jahr nachlassen sollte oder falls 2013 keine weiteren Konsolidierungsmaßnahmen beschlossen würden.

Auch die Kreditratingagentur Fitch hielt zunächst an der Topbonität "AAA" fest, machte aber ebenfalls klar, dass sie die Schuldenentwicklung in den USA weiter scharf im Auge behalten werde. Fitch kündigte aber eine genaue Prüfung des Budgetplans an, die Ende August abgeschlossen sein soll.

Aufgrund der Bedeutung des US-Dollar als Leitwährung könnte die Abwertung die Weltwirtschaft, die bereits unter der Euro-Krise leidet, weiter ins Trudeln bringen. China bekräftigte am Freitag seine Kritik, dass die Kürzungen in den USA und Europa nicht weit genug gingen. Die USA nähmen lediglich neue Schulden auf, um die alten abzubezahlen, kritisierte die amtliche Nachrichtenagentur Xinhua.

Kredite werden teurer

Mit gesenkten Bonitätsnote dürften Kredite für die Regierung, aber auch für Unternehmen und Verbraucher in den USA teurer werden. Experten rechnen damit, dass sich die staatlichen Kreditkosten mit der Zeit um 100 Milliarden Dollar verteuern könnten.

Für die Finanzmärkte kann die Herabstufung kaum zu einem ungünstigeren Zeitpunkt kommen. Die Furcht vor einer erneuten Rezession in den USA und einer Ausweitung der europäischen Schuldenkrise hatten in dieser Woche weltweit zu Panikverkäufen an den Börsen geführt. Die S&P-Entscheidung komme aber nicht völlig unerwartet, sagte Analyst Vassili Serebriakov von Wells Fargo. "Sie dürfte bereits teilweise in den Dollar-Kurs eingepreist sein. Wir erwarten zwar weiter großen Druck auf den Dollar, aber ein großer Ausverkauf ist nach unserer Einschätzung unwahrscheinlich." Das liege wohl aber auch daran, das es nur wenige Alternativen zu US-Staatsanleihen gebe.

Japan und Frankreich unterstützen USA

Aus Japan und Frankreich gab es Unterstützungsbotschaften für Washington. Die deutsche Bundesregierung hielt sich am Samstag mit Kommentaren zu der Entwicklung vorerst zurück. Die Bonitätsabwertung der USA durch die Rating-Agentur Standard & Poor's könnte aber nach den Worten des stellvertretenden CDU-Fraktionschefs Michael Meister neben den USA die gesamte Weltwirtschaft in Bedrängnis bringen.

"Das ist ein gewaltiger Einschnitt. Das wird massive Folgen haben", sagte Meister am Samstag. "Das bedeutet für den Haushalt der USA höhere Zinslasten. Das bedeutet, dass Zweifel in die Stabilität der Führungsmacht dieser Welt entstehen", sagte er. Vertrauen in die USA gehe verloren. Ein Zinsanstieg werde das Wachstum der USA und das der Weltwirtschaft dämpfen. "Insofern ist das ein Vorgang, nach dem man nicht einfach zur Tagesordnung übergehen kann." (APA)