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In Asien und Australien setzten die Börsen am Montag ihre Talfahrt fort.

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Tokio/Frankfurt/New York – Trotz aller internationalen Bemühungen um eine Beruhigung der Finanzmärkte hat sich die Talfahrt der Börsen auch zu Wochenbeginn in Fernost fortgesetzt. Auch die europäischen Börsen können sich dem Trend nicht entziehen und starten durch die Bank mit Kursverlusten. Die Furcht vor einer Rezession in den USA und eine Ausbreitung der europäischen Schuldenkrise steckt den Anlegern noch immer in den Knochen. Die Herabstufung der Kreditwürdigkeit der USA sorgte für zusätzliche Verunsicherung. Auch die Zusage der sieben führenden Industrieländer (G-7), alles nötige für eine Stabilisierung der Märkte zu tun und gemeinsam gegen extreme Kursschwankungen vorzugehen, konnte die Abschläge nicht verhindern.

"Der Ausverkauf ist noch nicht vorbei", sagte Toshio Sumitani, Stratege von Tokai Tokio. Investoren flüchteten trotz eines außergewöhnlichen Bekenntnisses der sieben führenden Industriestaaten G7 zur Marktstabilisierung in als sicher geltende Anlagen wie Gold oder dem Schweizer Franken. Bereits vergangene Woche waren die Finanzmärkte ähnlich beunruhigt wie in den düsteren Tagen nach der Lehman-Pleite im Jahr 2008.

In Tokio schloss der Nikkei-Index 2,2 Prozent schwächer bei 9097 Punkten. Der breiter gefasste Topix gab 2,3 Prozent ab auf 782 Zähler. Außerhalb Japans gab es noch deutlichere Abschläge. So brach der Index in Südkorea zeitweise um sieben Prozent ein, notierte im Verlauf noch knapp vier Prozent schwächer. In Taiwan gaben die Kurse ebenfalls um fast vier Prozent nach. In Hongkong fiel der Hang-Seng-Index 3,5 Prozent, der wichtigste Index in Shanghai verlor ebenfalls in dieser Größenordnung. Auch die Aktienfutures an den US-Börsen hatten den Handel mit kräftigen Abschlägen aufgenommen. Die Verschärfung der Schuldenkrise hat auch den Goldpreis auf ein Rekordhoch getrieben.

US-Herabstufung sorgt für Nervosität

Auch die Signale der Europäischen Zentralbank (EZB) für den Kauf von italienischen und spanischen Staatsanleihen, um eine Ausbreitung der Schuldenkrise auf die beiden Staaten zu verhindern, könnte Analysten zufolge nach den Turbulenzen der vergangenen Woche für etwas Beruhigung sorgen. Die Zusage der sieben führenden Industrieländer G7, alles Nötige für eine Stabilisierung der Märkte zu tun, konnte die Abschläge nicht verhindern. G7-Vertreter hatten sich kurz vor Markteröffnung in Tokio mit einer Erklärung an die Öffentlichkeit gewandt, und versucht, die Finanzmärkte vor einem weiteren Kollaps zu bewahren. Man sei bereit, "zu handeln, um für Stabilität und Liquidität an den Finanzmärkten" zu sorgen. Zudem "bleiben die G7-Vertreter in engem Kontakt". "Die G7 haben gewissermaßen eine Grenze gezogen, um eine Ausbreitung der Schuldenkrise einzudämmen", sagte Analyst Christian Cooper von Jefferies & Co.

Allerdings schürte die Herabstufung der US-Bonität zusätzlich die Nervosität am Markt. "Die Herabstufung der USA war zwar erwartet worden, aber der Zeitpunkt war überraschend", sagte Fondsmanager Robert da Silva von Principal Global Investors. In den nächsten zwei bis drei Tagen sei mit einem volatilen Handel zu rechnen, bis der Markt die Nachricht verarbeitet habe. Die Ratingagentur Standard & Poor's hatte den USA am Wochenende die Spitzenbonitätsnote entzogen und die Kreditwürdigkeit der weltgrößten Volkswirtschaft um eine Stufe gesenkt.

Mit der Abstufung der US-Bonität durch die Rating-Agentur Standard & Poor's wankt ein Eckpfeiler des weltweiten Finanzsystems – Experten rätseln darüber, wie sich dies längerfristig auf die Märkte auswirken wird. Der Schritt war zwar erwartet worden, kommt aber nach einer Woche mit den schwersten Verlusten an den Weltbörsen seit dem Herbst 2008, als die Finanzmärkte infolge der Pleite der US-Investmentbank Lehman Brothers kollabiert waren.

"Es könnte Verluste geben"

Trotz Schuldenkrise und schwacher Wirtschaftsentwicklung will US-Finanzminister Timothy Geithner weiter im Amt bleiben. Das teilte er nach Angaben einer Ministeriumssprecherin vom Sonntag Präsident Barack Obama mit. Zuvor hatte es Spekulationen gegeben, dass Geithner sich zurückziehen könnte. Obama habe Geithner gebeten zu bleiben, "und er begrüßt seine Entscheidung", zitierte die Wirtschaftsagentur Bloomberg den Sprecher des Weißen Hauses, Jay Carney. Geithner hatte selbst vor Wochen angedeutet, dass er sich nach der Erhöhung der Schuldengrenze zurückziehen könnte.

Im Windschatten des US-Schuldendebakels streitet die EU schon wieder heftig über die Instrumente zum Kampf gegen die Euro-Schuldenkrise. Heftigen Gegenwind spürt vor allem EU-Kommissionspräsident José Manuel Barroso, der am Donnerstag eine Überprüfung aller Elemente des Rettungsschirms EFSF einschließlich dessen finanzieller Ausstattung verlangt hatte. Der Vorstoß des Portugiesen provoziert weiter heftige Kritik. (APA/Reuters/rom)