Basel/London - Dies könnte einen Durchbruch in der Behandlung einer ausgesprochen schweren und bisher nur bedingt therapierbaren rheumatischen Erkrankung von Kindern bedeuten: Die EU hat vor wenigen Tagen (3. August) den monoklonalen Antikörper Tocililzumab zur Behandlung schwersten Rheumas für Kinder ab zwei Jahre zugelassen, wenn sonstige Therapien fehl geschlagen waren.

Es gibt mehrere Formen von Rheuma im Kindes- und Jugendalter. Man schätzt, dass etwa 100 von 100.000 Kindern daran erkranken. Zehn Prozent davon macht die "systemische juvenile idiopathische Arthritis" (SJIA, Anm.) aus.

Schwere Folgen

Die Konsequenzen der zumeist schon ab dem Alter von zwei Jahren auftretenden Erkrankung können katastrophal sein: häufige schwerste Fieberschübe, zahlreiche die Gelenke betreffende Entzündungen und Schwellungen mit Schmerzen und langsame Zerstörung der Gelenke sowie Haut-, Leber- und immunologische Komplikationen. Rund zwei Drittel aller Todesfälle von Kindern mit Arthritis lassen sich auf diese Erkrankung zurückführen. Trotz hoher Dosen von Cortison bzw. sonstiger anti-entzündlicher Medikamenten sprechen die Kinder oft nicht auf die Therapie an.

Erwachsenen-Medikament bei Kindern

Der monoklonale Antikörper - bei der chronischen Polyarthritis (cP, auch: rheumatoide Arthritis - RA) bei Erwachsenen bereits seit einigen Jahren verwendet - scheint für die Kinder eine besonders gute Wirkung zu entfalten. Es kommt bei ihnen offenbar zu einer extrem hohen körpereigene Produktion des Immunbotenstoffs Interleukin-6. Das Arzneimittel blockiert den Rezeptor für IL-6.

Beim Europäischen Rheumakongress (EULAR) im Frühjahr 2012 in London wurden die neuesten wissenschaftlichen Daten aus einer Studie mit 112 Kindern im Durchschnittsalter von rund neun Jahren und anders nicht ausreichend beherrschbaren Symptomen vorgestellt. Die Kinder bekamen zusätzlich zu ihrer sonstigen Medikation alle zwei Wochen Tocilizumab ("Roactemra") per Infusion oder ein Placebo. Die Ergebnisse nach zwölf Wochen:

  • Bei 85 Prozent verschwanden das Fieber und die Gelenksbeschwerden (mit 20 und mehr betroffenen Gelenken) besserten sich um mindestens 30 Prozent (Placebo: Erfolgsrate von 24 Prozent).
  • Zu einer Besserung der Gelenksbeschwerden um mindestens 50 Prozent kam es unter Tocilizumab-Therapie bei 71 Prozent der Kinder (Placebo: acht Prozent). Ein Verschwinden der Gelenkskomplikationen um 90 Prozent trat bei 37 Prozent der Behandelten auf.

Die Behandlung wirkt offenbar auch langfristig: Nach einem Jahr hatten 49 Prozent der Kinder keine von der Arthritis betroffenen entzündeten Gelenke mehr. 52 Prozent konnten mit der Einnahme von Cortison aufhören. An Nebenwirkungen traten - etwas gehäuft - für Kinder sonst auch typische Infektionen der oberen Atemorgane und des Verdauungstraktes auf. (APA)