Belgrad/Pristina - Der Grenzstreit zwischen Serbien und dem Kosovo konnte wie erhofft am heutigen Dienstag vorläufig nicht entschärft werden. Weiterhin ist keine Lösung in Sicht und die vergangenen Freitag zwischen Belgrad und Pristina erzielte Vereinbarung über den Grenzstreit erneut in Gefahr. Die am Dienstag erwartete Entscheidung der nordkosovarischen Gemeinderäte über die Beseitigung der Verkehrsblockaden wurde verschoben.

Wie der Belgrader staatliche TV-Sender RTS berichtete, sei die Sitzung der nordkosovarischen Gemeinderäte in Leposavic unterbrochen worden. Die Gemeinderäte von Zubin Potok seien nicht erschienen. Sie hätten im Vorfeld gefordert, dass sich zur Vereinbarung zuerst das serbische Parlament äußern solle, berichtete der Sender.

Der Bürgermeister von Leposavic Slavko Stojanovic hat die Unterbrechung der Sitzung mit "formalrechtlichen Gründen" erläutert. Dazu gehörte auch die Abwesenheit der Gemeinderäte aus Zubin Potok. Eine neue Sitzung konnte nach seinen Worten nicht einberufen werden. Die Gemeinderäte sollen sich demnach zur Vereinbarung zuerst in ihren Gemeinden äußern.

Die Beseitigung der Verkehrssperren ist die Grundvoraussetzung für die Umsetzung der Vereinbarung. Bis zuletzt schien es, dass es den serbischen Behörden in den letzten Tagen gelungen war, die serbische Volksgruppe im Norden des Kosovo zur Annahme der Vereinbarung zu überreden.

Die kosovarische Regierung hatte Mitte Juli ein Importverbot für serbische Waren verhängt, nachdem Belgrad jeden Import von kosovarischen Waren gleich nach der Ausrufung der Unabhängigkeit im Februar 2008 wegen strittiger Zollstempel verhindert hatte. Durch eine Operation der Sonderpolizei-Einheit Rosu wollte Pristina am 25. Juli den Zolldienst an den zwei nordkosovarischen Grenzübergängen errichten, um das Importverbot umzusetzen. Es kam zur Konfrontation mit ortsansässigen Serben, die KFOR musste einschreiten, um die Situation zu beruhigen. Die Übergangslösung wurde am Freitag durch die Vermittlung des KFOR-Befehlshabers Erhard Bühler erzielt. Entsprechend der vergangenen Freitag erzielten Einigung sollen die zwei strittigen Grenzübergänge Jarinje und Brnjak bis Mitte September unter der KFOR-Kontrolle bleiben. Die Grenze wird für den Passagierverkehr und humanitäre Lieferungen offen sein. (APA)