Rangun - Acht Monate nach ihrer Freilassung aus jahrelangem Hausarrest im vergangenen November lässt Aung San Suu Kyi wieder Anzeichen von Widerstand gegen das burmesische Regime erkennen. Trotz Warnungen der Regierung möchte die burmesische Oppositionspolitikerin und Nobelpreisträgerin eine politische Tour antreten. Am 14. August wird Suu Kyi ins rund 80 Kilometer nordöstlich von Rangun gelegene Bago reisen. Sie möchte dort zwei Büchereien eröffnen. Außerdem steht ein Treffen mit politischen Aktivisten an.

Drohgebärde der Regierung

Ein Sprecher des Staatsfernsehens warnte die Politikerin vor Ausschreitungen, wie sie bereits bei ihrer Tour im Jahr 2003 aufgetreten waren. Damals wurde der Konvoi von Suu Kyi Ziel eines Angriffs von Schergen des Militärregimes. Nach Angaben ihrer Partei kamen dabei etwa 70 Menschen ums Leben. Suu Kyi flüchtete, wurde festgenommen und unter Hausarrest gestellt. Als Begründung wurde Bedrohung der Stabilität des Landes angegeben.

Am Rande einer Gedenkfeier für den blutig niedergeschlagenen Studentenaufstand, der am 8. August 1988 seinen Anfang fand, sagte Suu Kyi gestern, Montag: "Wir können das Wahlergebnis von 1990 nicht vergessen." Damals hatte die Politikerin mit ihrer Partei Nationalliga für Demokratie (NLD) haushoch gewonnen. Der Wahlsieg wurde jedoch vom burmesischen Regime nie anerkannt. Die Junta setzte ihre Militärherrschaft fort, vertreten durch viele Ex-Militärs, die lediglich ihre Uniform an den Nagel hängten. Vergangenen November ließ die Junta erstmals seit 20 Jahren erneut wählen - und trug wie erwartet den Sieg davon.

Suu Kyi, deren Partei im vergangenen Jahr zwangsaufgelöst wurde, übt zudem Kritik an der Verfassung von 2008, durch die das Militär die Ereignisse im Land maßgeblich beeinflusst. (sak, DER STANDARD, Printausgabe, 9.8.2011)