Wien - Die aktuellen Marktturbulenzen haben auch die Stimmung in Mittel- und Osteuropa eingetrübt. Der am Dienstag veröffentlichte Geschäftsklimaindex von Thomson Reuters und der Österreichischen Kontrollbank (OeKB) wies erstmals seit April 2009 wieder eine Verschlechterung für die Region aus.

Der Index zeigt an, wie die aktuelle Geschäftslage und jene der kommenden sechs Monate in Summe eingeschätzt werden. Im Juli sank er von plus 35 auf nun 30 Punkte. Er liegt damit nur mehr knapp über dem langfristigen Durchschnittswert von 29 Punkten. Befragt werden 400 in- und ausländische Konzerne in 19 Staaten aus Mittel- und Osteuropa.

Zuletzt haben auch mehrere Konjunkturbarometer in Deutschland deutlich nach unten gezeigt. Bestätigt wurde dieser Trend am Dienstag durch neue Zahlen zum deutschen Außenhandel. Die Firmen setzten im Juni um 1,2 Prozent weniger um als im Mai. "Die deutsche Exportwirtschaft spürt derzeit den Sand im Getriebe der Weltwirtschaft", sagte der Präsident des Handelsverbandes, Anton Börner. Im Vergleich zum Vorjahr gab es aber noch immer ein Plus von 3,1 Prozent. Die Juni-Zahlen seien aber die ersten Vorboten der nachlassenden Dynamik, meinte Börner.

Ein ähnliches Bild zeigt sich für Osteuropa. Der derzeitige Geschäftsgang wird nämlich noch von 43 Prozent der Befragten als positiv eingestuft, zeigt die Umfrage von Reuters und Kontrollbank. Nur 14 Prozent melden bereits jetzt eine schlechte Performance. Der Indikator für die kommenden sechs Monate hat aber stark nachgegeben - um acht Prozentpunkte auf einen Wert von nun 31.

Kroatien im Aufwind

Viele Länder der Region seien nach der Finanz- und Wirtschaftskrise 2008/09 in einem langsamen Wiederaufschwung und hätten teilweise nach wie vor mit Strukturproblemen zu kämpfen, erklärt OeKB-Direktorin Angele Eickhoff.

Regional zeigen sich aber durchaus Unterschiede. Positiv sticht Kroatien hervor, was auch mit den erfolgreich abgeschlossenen EU-Beitrittsverhandlungen zu tun haben dürfte. Der Konjunkturindikator für das Land ist im Juli um 22 Prozentpunkte gestiegen. Auch der Geschäftsklimaindex hat um sieben Prozentpunkte zugelegt. Eine starke Abkühlung des Klimas (jeweils zehn Prozentpunkte) ist in Polen und Slowenien zu beobachten. Während Polen aber noch immer einen guten Wert von plus 48 aufweist, wird die Situation in Slowenien mit plus 19 kritischer eingeschätzt.

Etwas vom allgemeinen Trend abkoppeln konnten sich die Banken in der Region, die nun optimistischer in die Zukunft blicken als zuletzt. Hier legte der Geschäftsklimaindex leicht um einen Prozentpunkt zu.

Deutlich verschlechtert hat sich aber die Lage der Versicherungen, bei denen der Indikator um zehn Prozentpunkte nachgab. (Reuters, go, DER STANDARD; Print-Ausgabe, 10.8.2011)