Armutsbekämpfung durch Stärkung der Kapazitäten in Forschung und Bildung - das ist Ziel des Förderprogramms "Appear", das Partnerschaften zwischen heimischen Unis und Forschungseinrichtungen in den Partnerländern der Entwicklungszusammenarbeit in Afrika, Asien und Lateinamerika finanziert.

Die Organisatoren haben nun eine erste Zwischenbilanz gezogen. Seit dem Start von "Appear" im Herbst 2009 gab es nach zwei Ausschreibungen 57 Einreichungen für akademische Kooperationen, berichtet Andreas Obrecht vom österreichischen Austauschdienst OeAD, der das Programm zusammen mit dem Lateinamerikainstitut (LAI) durchführt.

Elf Projekte wurden nach einem Begutachtungsverfahren ausgewählt und über drei Jahre mit insgesamt 3,8 Millionen Euro gefördert. Bei den inländischen Teilnehmern stehen die Wiener Universität für Bodenkultur (Boku) und die Uni Wien mit je vier Projekten an der Spitze, ihre Partner sind wissenschaftliche Einrichtungen in Äthiopien, Uganda, Kenia, Burkina Faso, Nicaragua, Nepal und in den palästinensischen Autonomiegebieten.

So soll in Zeiten stagnierender Ausgaben für die Entwicklungszusammenarbeit ein höherer Anteil der Mittel für Forschung und Bildung in die armen Länder fließen, wie dies auch die OECD fordert. Heimische Wissenschafter erhalten bei diesem Brückenschlag die Möglichkeit zu bisher unfinanzierbarer Feldforschung, und beide Seiten können über die Projektdauer hinaus bestehende Netzwerke knüpfen.

Die Forschungsthemen reichen "von nachhaltiger Landwirtschaft in Nicaragua, ländlicher Transformation in Äthiopien und Wasserversorgung in Uganda und Kenia bis zu Gender-Mainstreaming in Uganda", wie Julia Lichtkoppler von der OeAD berichtet. Letzteres Projekt wird auf österreichischer Seite von der Wirtschaftsuniversität Wien betreut, wo die Betreiberinnen der Überzeugung sind, dass eine wirksame Armutsbekämpfung ohne eine Verbesserung der Situation von Frauen nicht möglich sei.

Mit zwei äthiopischen Unis arbeitet die Wiener Boku am Projekt "Transact" zur "ländlichen Transformation" in der Amhara-Region. Auf sensible Weise soll dabei die Lage der Bauern erforscht, anwendbare technische Verbesserungen sollen vorgeschlagen und neue Einkommensquellen gefunden werden.

Ähnlich klingt das Boku-Projekt, das gemeinsam mit der Agrar-Universität von Managua (UNA) in Nicaragua realisiert wird. Mit der Absicht, Einstellungen und Strukturen zu ändern, soll auf der einen Seite die UNA institutionell entwickelt werden. Auf der anderen Seite soll diese Institution in enger Zusammenarbeit mit ländlichen Gemeinden ein besseres und stabileres Einkommen für dort lebende Familien erreichen.

Zusätzlich zu den Projekten und zu Stipendien für Master-Studenten und Doktoranden gibt es eine "Anbahnungsfinanzierung" (maximal 15.000 Euro auf sechs Monate). "Damit können Institute, die noch über keine etablierten Kontakte zu Partnerhochschulen verfügen, gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen aus dem Süden innovative Projekte entwerfen und einreichen", sagt "Appear"-Organisator Obrecht.

Der dritte Call zur Projekteinreichung beginnt am 1. Oktober. Bis 2014 stehen noch weitere 2,6 Millionen Euro für Hochschulpartnerschaften und 700.000 Euro für Forschungsstipendien zur Verfügung.  (Erhard Stackl/DER STANDARD, Printausgabe, 10. 8. 2011)