Die Feierlichkeiten anlässlich seines monumentalen Sieges gegen sich selbst werden wohl noch andauern - im Hause Wrabetz. Natürlich kann er nichts dafür, dass er quasi allein angetreten ist, wobei ich Christian Wehrschütz, den ich übrigens für einen ausgezeichneten Journalisten halte, keinesfalls vergessen habe. Aber, so ist das nun einmal, wenn man im entpolitisierten ORF etwas werden will. Zur Strafe bekommt man nicht mal eine einzige Stimme.

Der Planet ORF

Nun sind aber gerade diese Dinge ja schon zum hundertsten Mal gesagt, kommentiert und verspottet worden - kurz den gelernten Österreicher, und ich lerne dieses Business nun auch schon seit ca. 45 Jahren, regt das schon lange nicht mehr auf. Wir sind´s gewohnt, dass "die da oben" ihre Spielchen um die Sendezeit spielen. Es regt ja auch keinen wirklich auf, wenn sich die oberen Dienstränge beim Bundesheer lustige, akademische Titel umhängen, die sie sich dann wahrscheinlich daheim unter die Türklingel schreiben - keiner bekommt ja auch nur einen EURO mehr für einen zweiten Magister. Also dreht sich der Planet ORF und der Planet Bundesheer nicht mit unserer Realowelt im gleichen Sonnensystem?

Leider nein! Der Planet ORF hat eine deutliche Verbindung zur Realowelt - die ORF-Gebühr. Zwar finanzieren wir natürlich auch das Bundesheer, doch im Gegensatz zu diesem erwarten wir vom ORF als Gegenleistung für unser Geld ein paar harmlos, heitere Stunden vor unseren teuren Flachbildschirmen. Wenn man den etwas schnoddrigen Ausspruch des Herr Wrabretz vor ein paar Tagen ernst nimmt, wird die Gebühr in Zukunft sogar erhöht. Freilich handelt es sich ja auch bei dieser - schauen-wir-mal - Gebührenerhöhung wieder, wie auch schon in den letzten 2000 Jahren, nur um eine reine Inflationsabgeltung. Na klar.

Und damit sind wir beim Thema. Sie nötigen uns, Geld zu zahlen. Recht viel Geld! Sie gründen sogar Unternehmen, die dieses Geld eintreiben sollen und im Übrigen nicht einmal die Minimalsorgfalt aufbringen können, die ihnen anvertrauten Daten ordentlich zu sichern - wie kommen eigentlich über 200.000 Österreicher jetzt dazu, die nächste Zeit ihre Kontoauszüge auf nicht autorisierte Abzüge hin zu überwachen?

Und wofür das Ganze? Für die Erfüllung eines Bildungsauftrages, dem wir in der Achtzigerjahren das "Schulfernsehen" am Vormittag zu verdanken hatten? Also vergessen wir den in Diskussionen immer wieder ausgegrabenen Bildungsauftrag gleich wieder. Den hat ja wahrscheinlich sowieso nie einer ernst genommen. Was aber trotz damals noch nicht per Gesetz abgeschaffter Politisierung des staatlichen Rundfunks ein Herr Bacher, ein Thaddäus Podgorski, und in seinem RTL-Verständnis, sogar ein Herr Zeiler versucht haben, war schlicht Unterhaltung zu machen.

Wo bleibt die gute Unterhaltung?

Unterhaltung? So, so! Liegt es etwa daran, dass wir lieber für etwas zahlen würden, das uns auch gefällt, auch wenn wir kein Gröhl- und Schunkelgen haben und uns überdies die Klippen in Cornwall völlig egal sind?

Haben Sie schon einmal versucht, an einem Freitag oder Samstag zur Hauptsendezeit länger als, sagen wir, eine halbe Stunde, beim ORF zu bleiben? Sind Sie dann, nach gegebener Zeit, nicht, mit den Augen rollend, wild tobend, auf einen anderen Sender gezappt? Vielleicht liegt´s aber auch schlicht an den Schulferien? Wahrscheinlich glaubt der ORF, wir sind geschlossen abgereist. Wer weiß.

Also nur damit wir uns nicht falsch verstehen, kurz noch einmal zusammengefasst, lieber Herr Wrabretz: Alles Liebe und meine besten Wünsche zur Wiederwahl, doch meines Erachtens, und ich erlaube mir, hier für die demoskopisch gar nicht so kleine Gruppe der bereits volljährigen, doch noch nicht pensionierten, urbanen, mittelmäßig bis besser gebildeten, gebührenzahlenden, österreichischen ORF Seher zu sprechen, mag die ORF Gebühr, ja sogar eine höhere ORF Gebühr gerechtfertigt sein, wenn die pausenlose Jodlerei, die Herz-Schmerz Duslerei, die unendlich öden Castingshows, die tausendste Wiederholung der Onkel-Charly-Geschichten wenigstens hin-und wieder gegen einen netten Film, eine etwas intelligente Serie, vielleicht einmal sogar gegen eine (nicht-schon-wieder-Universum) Doku in der Hautsendezeit umprogrammiert würde.

Wo sind die Zeiten eines Hugo Portisch und seines ÖSTERREICH II. Zu dieser Zeit war ich ja auch noch ein Teenager und trotzdem habe ich mich unterhalten gefühlt. Ach ja, gebildet hat mich das auch noch. Danke! (Leser-Kommentar, Michael Bartsch, derStandard.at, 10.8.2011)