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Wien - Die Wirtschaftskrise 2008 und 2009 hat in zahlreichen europäischen Ländern die Jugendarbeitslosigkeit in die Höhe schnellen lassen. Am stärksten getroffen wurde Spanien, wo sich die Arbeitslosenquote bei 15- bis 24-jährigen zwischen 2008 und 2011 auf 45,2 Prozent verdoppelte. Auch Kroatien (41,7 Prozent), Griechenland (38,5 Prozent) und die Slowakei (33,4 Prozent) kämpfen mit sehr hoher Jugendarbeitslosigkeit. Dieser Trend sollte sich infolge der staatlichen Sparpakete in den EU-Krisenstaaten noch weiter verstärken, rechnen Experten.

Im derzeit von Jugendkrawallen erschütterten Großbritannien liegt die Jugendarbeitslosigkeit bei knapp 20 Prozent: Zum Vergleich: In Österreich waren im zweiten Quartal 2011 rund 8,7 Prozent ohne Arbeit und in der gesamten EU rund 21 Prozent. 

Junge verlieren als erste den Job

"Junge Menschen gehören zu den Gruppen, die am schwersten vom Wirtschaftsabschwung getroffen wurden und sie waren unter den ersten, die wegen der Krise den Job verloren haben, schreibt die EU-Agentur European Employment Observatory (EEO) in einem Bericht. Jugendliche seien am Arbeitsmarkt in einer besonders"ungeschützten Position" mit einem hohen Anteil von Teilzeit- und befristeten Jobs sowie geringer Bezahlung. Maßnahmen gegen Jugendarbeitslosigkeit seien wichtig, aber sie würden stark "von der Wirtschaftslage abhängen", erinnert die EU-Agentur. 

Eine langanhaltend hohe Jugendarbeitslosigkeit würde sich negativ auf das Wirtschaftswachstum auswirken, unter anderem weil Humankapital vernichtet wird, so Wifo-Arbeitsmarktsexpertin Hedwig Lutz zur APA. Die hohe Jugendarbeitslosigkeit habe in den europäischen Ländern unterschiedliche strukturelle Gründe. Das gute Abschneiden Österreichs im EU-Vergleich sieht Lutz unter anderem im österreichischen Lehrlingssystem und berufsbildenden Schulen wie etwa HTL und HAK begründet. Diese Ausbildungen würden gut für den Arbeitsmarkt vorbereiten. 

Gefühl, versagt zu haben

Der österreichische Jugendforscher Philipp Ikrath will wegen der hohen Jugendarbeitslosigkeit in Europa nicht von einer "verlorenen Generation" sprechen. Dies würde die Jugendliche allein auf ihre Funktion als Arbeitskraft reduzieren, sagte er im Gespräch mit der APA. Jugendliche würden in unserer Gesellschaft immer mehr zu "Arbeitskraftunternehmern" erzogen, das heißt sich selber als Unternehmen verstehen, das seine Arbeitskraft verkauft. Arbeitslosigkeit werde dann von vielen allein als "persönliches Versagen" interpretiert. Die Arbeitslosigkeit-Erfahrung sei für viele Jugendliche eine "ziemliche Katastrophe". Auch die Anforderungen in der Arbeitswelt sind in den vergangenen Jahren deutlich gestiegen: "Etwa Lehrlinge müssen viel mehr können als früher", so der Jugendforscher. 

Die Krawalle in England sind laut Ikrath nur zum Teil durch Jugendarbeitslosigkeit zu erklären: Hier wolle eine "exkludierte und prekarisierte Unterschicht" auf sich aufmerksam machen. Diese Gruppe sei von der Gesellschaft und der Politik "seit Jahren ignoriert worden". Grundproblem sei eine "tiefe Ablehnung des Systems und der staatlichen Institutionen" durch die Jugendlichen. (APA)