New York / Zürich / Frankfurt - Die neuen Maßnahmen der Notenbanken verpufften an den Märkten nahezu ohne Wirkung. Dabei sorgte ein äußerst ungewöhnliches Versprechen der US-Notenbank Fed zunächst für Beruhigung. Sie kündigte in der Nacht auf Mittwoch an, die Leitzinsen bis Mitte 2013 auf "äußerst niedrigem Niveau" zu halten, um so die US-Wirtschaft weiter mit billigem Geld versorgen zu können. Normalerweise lassen sich die Notenbanker nicht in die Karten schauen. Seit Dezember 2008, dem Höhepunkt der globalen Finanzkrise, liegt der Leitzins bei null bis 0,25 Prozent.

Nicht unumstritten

Unumstritten ist die Geldpolitik der Federal Reserve aber nicht. Drei von zehn stimmberechtigten Fed-Mitglieder sprachen sich gegen die eindeutige Festlegung auf eine Niedrigzinspolitik bis 2013 aus. Einen so großen Dissens gab es seit 1992 nicht mehr. Die drei Präsidenten der Fed-Regionalbanken aus Dallas, Minneapolis und Philadelphia wollten eine Zusage nach billigem Geld nur für einen unbestimmten "längeren Zeitraum" geben.

Die Fantasie der Anleger wurde aber auch durch eine weitere Aussage von Fed-Chef Ben Bernanke angeregt. Angesichts der "Abwärtsrisiken für den wirtschaftlichen Ausblick" wurde betont, man sei bereit, im Notfall zusätzliche Instrumente zu nutzen. Nun wird gerätselt, ob die Notenbank neuerlich ein milliardenschweres Anleihenkauf-Programm auflegt, um so die schwächelnde Konjunktur zu beleben. Zwei solcher Programme mit einem Gesamtvolumen von 2300 Milliarden Dollar wurden aufgelegt, was die Bilanz der Fed enorm aufblähte. Eine ähnliche Lockerung der Geldpolitik wurde von der Europäischen Zentralbank und den Notenbanken in Japan und Großbritannien betrieben.

Vertrauensverlust

Dabei warnen Ökonomen wie Joseph Stiglitz, dass die Geldpolitik bereits wirkungslos geworden ist. Sie folgen dem Ausspruch von John Maynard Keynes, wonach die Geldpolitik eine Wirtschaft vielleicht im Boom zurückhalten, im Krisenfall aber nicht ankurbeln könnte. Zwar pumpte die EZB mit einer neuen Geldmarktspritze mehr als 50 Milliarden Euro in die Geldmärkte. Doch die Geschäftsbanken leihen das Geld, das die Notenbank in die Wirtschaft pumpt, nicht weiter, weil sie den Schuldnern nicht trauen, sondern bilden Reserven.

So sieht das auch Kristian Tödtmann, Ökonom bei der deutschen Dekabank: "Das Instrumentarium ist eigentlich schon ausgeschöpft, denn sowohl die Geld- wie auch die Finanzpolitik haben ihre Munition verschossen." Es gebe daher kaum mehr Handlungsspielraum. Warum also die Aussagen der Fed? "Damit man den Eindruck erweckt, dass man noch die Kontrolle hat."

Auf das Gesetz des Handelns setzt auch die Schweizer Notenbank (SNB). Der Franken hat im vergangenen Jahr um rund ein Drittel gegenüber dem Euro aufgewertet, wodurch die Schweizer Exporteure zunehmend an Konkurrenzfähigkeit verlieren. Die SNB möchte hier gegensteuern, indem sie die Märkte mit Franken flutet. Die Banken sollen nun bis zu 120 Mrd. Franken von der SNB ausleihen - und das zu Tiefstzinsen. Erst vor einer Woche hatte sie dieses Limit von 30 auf 80 Mrd. angehoben. Bisher aber praktisch ohne Erfolg. Zeitweise stand der Franken schon fast bei 1:1 zum Euro. Am Mittwoch pendelte sich der Kurs bei 1,04 Franken ein. Darüber hinaus kauft die SNB bei den Banken auch fremde Währungen auf, um zusätzliche Franken ins System zu bringen. Dieses Instrument wird erstmals seit 2008 wieder angewendet.

Keine Zinserhöhung

Kein Ende der expansiven Geldpolitik zeichnet sich auch in Großbritannien ab, trotz hoher Inflation. Da die Bank of England (BoE) am Mittwoch die Wachstumsprognose für 2012 von 2,5 auf zwei Prozent nach unten revidierte, wird nun von Experten kaum mehr mit steigenden Leitzinsen in näherer Zukunft gerechnet. (go, sulu, DER STANDARD, Printausgabe, 11.8.2011)