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Kovats: "Die Politik ist wirtschaftsfeindlich und hat auch keine Ahnung von Wirtschaft. Die Banken stehen nicht zur Verfügung, um Arbeitsplätze zu erhalten, und zocken lieber mit Derivaten. Und wenn es schiefgeht, muss der Steuerzahler geradestehen".

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Wien - Mirko Kovats, Chef des im Sanierungsverfahren befindlichen Mischkonzerns A-Tec, kündigt eine Grundsatzentscheidung über den Verkauf für "die nächsten Tage" an. In einem Interview im Magazin "Format" reitet er Attacken gegen österreichische Politiker und Banker.

Er bedaure sehr, dass sich die österreichischen Politiker nicht für eine österreichische Lösung eingesetzt hätten, sagte Kovats. Die A-Tec hatte früher 12.000 Mitarbeiter, heute sind es nicht einmal halb so viele - fast 2.000 davon sind in Österreich tätig. "Die Politik ist wirtschaftsfeindlich und hat auch keine Ahnung von Wirtschaft. Die Banken stehen nicht zur Verfügung, um Arbeitsplätze zu erhalten, und zocken lieber mit Derivaten. Und wenn es schiefgeht, muss der Steuerzahler geradestehen".

Das gehe bei einem privaten Industriekonzern nicht, deshalb würde der hier auch nicht investieren. Bei Finanzinvestoren sei das anders. Die könnten eine Firma kaufen und danach weiterverkaufen. Die Jobs seien dann aber weg. Deshalb hätte er, Kovats, sich auch einen Industriekonzern als Investor für A-Tec gewünscht. Er hielt in dem Interview fest, dass sein Verhältnis zu Penta (interessierter Finanzfonds) "neutral" sei.

Verhandlungen kurz vor dem Abschluss

Jetzt stünden die Verhandlungen mit den Investoren kurz vor dem Abschluss. Das Überleben der A-Tec sei gesichert. "Es wird einen Investor geben, so viel steht fest." Das beste Offert werde noch im August bei einer Hauptversammlung präsentiert. Das Geld an die Gläubiger fließe wie vereinbart bis Ende September.

Die aktuellen Zahlen würden zeigen, dass alle Töchter Gewinne schreiben, "es besteht kein Sanierungsbedarf mehr", sagte Kovats. "Ein Industrieinvestor würde diesen Erfolg fortsetzen, weiter expandieren und nicht einzelne Teile verkaufen, um schnelle Profite zu machen."

Kovats bleibt dabei, dass ein gescheitertes Kraftwerksprojekt in Australien zur Pleite geführt hat. Dass im Bericht des Insolvenzverwalters hingegen von schweren Fehlern des Managements bei diversen Akquisitionen die Rede ist, quittiert Kovats ungerührt: "Insolvenzverwalter müssen kritisch sein. Jeder macht Fehler, natürlich auch ich." Aber es habe jetzt keinen Sinn danach zu suchen, was alles besser gemacht hätte werden können.

Die Ermittlungen gegen ihn und andere A-Tec-Manager wegen Untreue und Bilanzfälschung entbehren für Kovats jeder Grundlage. "Sie wurden von jemandem initiiert, der mir schaden will". Die Vorwürfe seien nicht haltbar. Angesprochen auf seinen früheren Geschäftspartner Rudolf Krtina, der Vorwürfe äußerte, meinte Kovats, "er wird nur nach außen präsentiert." Mehr wolle er dazu nicht sagen.

Die Ermittler interessieren sich wie berichtet auch für Aktienrückkäufe. Kovats Stiftung soll A-Tec-Aktien weit unter Marktwert erworben haben. Vermutungen, wonach Kovats daran 12,6 Mio. Euro verdient haben soll, bezeichnet der A-Tec-Chef in dem Format-Interview als "falsch. Damals hätte ein Investor einsteigen sollen, damit das Eigenkapital nicht unter 20 Prozent fällt (sonst wäre eine Anleihe fällig geworden, Anm.). Doch die Verhandlungen scheiterten in letzter Sekunde." Der Kurs der Aktie sei heute um ein Vielfaches schlechter als damals, "für die Stiftung war es also sogar ein riesiges Verlustgeschäft", so Kovats. (APA)