Die massiven Marktturbulenzen an den Weltbörsen haben in Europa eine fatale Kettenreaktion ausgelöst. Italien, Frankreich, Spanien: Ein Land nach dem anderen verpflichtet sich plötzlich zu einem rascheren und radikaleren Schuldenabbau. Dabei dürfte gerade diese Rotstift-Strategie die Krise verschärfen.

Denn die Beweislage ist eindeutig. Beispiel Griechenland: Das Land hat auf Geheiß seiner "Retter" 2010 einen radikalen Sparkurs eingeschlagen, Steuern erhöht und Pensionen gestrichen. Der Inlandskonsum ist daraufhin vollends weggebrochen. Die Schulden, gemessen an der Wirtschaftsleistung (BIP), stiegen deutlich an, was zu einer neuen Kaskade an Rettungsaktionen geführt hat. Hellas ist kein Einzelfall. Der Internationale Währungsfonds hat im Juli eine umfangreiche Studie über die Auswirkungen von Sparkursen, umgelegt auf OECD-Staaten, vorgelegt. Ergebnis: Etatkürzungen führen fast immer zu einem Wachstumseinbruch. Im Schnitt kostet ein Sparpaket in Höhe von einem Prozent des BIPs 0,6 Prozent an Wachstum.

Haushalte gehören saniert, wenn der Konsum rund läuft und Gewinne sprudeln. Industrienationen leben seit Jahrzehnten mit großen Schuldenbergen. Sie haben sich damit Infrastruktur, Sozialeinrichtungen, Unis erkauft; mit dem geborgten Geld Werte, politische wie ökonomische, geschaffen. Diese Errungenschaften zu gefährden wäre der schwerwiegendste Fehler im Umgang mit der Krise. (DER STANDARD; Print-Ausgabe, 12.8.2011)