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Flüssigkeitsscanner sind derzeit eine der großen Herausforderungen für die Luftfahrtsicherheit.

Foto: REUTERS/Thomas Peter

Wien (APA) - Der Terroranschlag am 11. September 2001 hat die Welt der Luftfahrt empfindlich verändert. Die Sicherheitsbestimmungen wurden nicht nur in den USA, sondern auch in Europa und weiten Teilen der Erde verschärft: Gepäck wird verstärkt kontrolliert, die Mitnahme bestimmter Gegenstände im Handgepäck verboten und die Personenkontrollen werden noch penibler durchgeführt. Zuletzt gab es heftige Diskussionen um den Einsatz von "Bodyscannern".

Verstärkte Kontrollen nach 9/11

"Rückblickend war 9/11 ein mächtiges Ereignis mit mächtigen Veränderungen", sagte Oberst Peter Bencza, zuständig für das Flugsicherheitswesen im Innenministerium. Die EU hat in kürzester Zeit eine neue Verordnung aus dem Boden gestampft und ein harmonisiertes Luftfahrtsicherheitsgesetz geschaffen. Das damit gezogene Sicherheitsnetz umfasste verstärkte Kontrollen von Passagieren, Personal, Gepäck und Cargo. Am 16. Dezember 2002 trat die entsprechende Verordnung in Kraft. In der Geschichte der Luftfahrt war diese in ihrem Umfang erstmalig und ein Meilenstein, wie Oberst Bencza betonte.

Schuhscanner für die Sicherheit

Die Ereignisse in New York und Washington waren aber nicht die einzigen, die Folgen für den Flugverkehr hatten. Immer wieder gab es in der Geschichte der Luftfahrt Vorfälle, die Konsequenzen für die Luftfahrtsicherheit brachten: "Schuhbomber" Richard Reid hatte etwa am 22. Dezember 2001 versucht, an Bord eines American-Airlines-Fluges von Paris nach Miami einen in seinen Schuhen verborgenen Sprengsatz zu zünden. Passagiere und Besatzung überwältigten ihn jedoch, die Maschine konnte unbeschädigt notlanden. Für die Luftfahrt hat das vereitelte Attentat bedeutet, "dass die Sicherheitsindustrie auch Schuhscanner entwickelt hat", sagte Oberst Bencza.

Flüssigkeiten im Handgepäck

Am 10. August 2006 vereitelte Scotland Yard einen vermutlich großen Anschlag. Mutmaßliche Terroristen wollten in London mehrere Flugzeuge auf dem Weg von Großbritannien in die Vereinigten Staaten mittels Flüssigsprengstoff zur Explosion bringen. Zumindest ein Teil der Chemikalien soll in Flaschen für Sportgetränke eingeschleust worden sein. Seit dem Vorfall dürfen Passagiere nur noch geringe Mengen an flüssigen Stoffen mit ins Handgepäck nehmen. Am 6. November 2006 wurde eine entsprechende Verordnung erlassen.

In der Folge wurden Flüssigkeitsscanner entwickelt. "Derzeit ist die Situation so, dass die Entwicklung dieser Geräte mit dem Ziel, 29. April 2013, so weit sein soll, dass die Beschränkung wieder aufgehoben werden kann", erklärte Oberst Peter Bencza, zuständig für das Flugsicherheitswesen im Innenministerium. Es werde mit Hochdruck daran gearbeitet. Derzeit prüfe man die praktische Umsetzbarkeit.

Die Körperscanner kommen

Am 25. Dezember 2009 ist in den USA ein Terroranschlag vereitelt worden. Ein Nigerianer wollte in einem voll besetzten Airbus der Delta-Northwest Airlines am Weg von Amsterdam-Schiphol nach Detroit, einen Sprengkörper entzünden, den er in seiner Unterhose versteckt hatte. Der Mann wurde dabei von anderen Passagieren überwältigt. Der Vorfall machte klar, dass Metalldetektoren für Passagiere offenbar nicht reichen, Diskussionen um Körperscanner flammten auf.

Tests dazu hat es bereits auf mehreren Flughäfen gegeben, etwa in London oder Amsterdam. "Es ist zu erwarten, dass diese Technologie auch angewendet werden kann", sagte der Oberst. Voraussetzung dafür sei etwa, dass gesundheitliche Aspekte berücksichtigt werden müssen (etwa keine Scanner auf Röntgenstrahlenbasis), Darstellungen dürften nur als "Dummybild" und schematisch erfolgen. "Wir sind überzeugt, dass Securityscanner eine Technologie der Zukunft sind. Es muss aber ein Mehrwert erkennbar sein und das prüfen wir derzeit", sagte Bencza. "Tatsache ist aber, dass das EU-Parlament zuerst beschließen muss, dass es ein mögliches Instrument ist."

Die vier Säulen der Sicherheit

Derzeitige Bestrebungen in der Luftfahrtsicherheit werden von vier Säulen getragen: Dazu zählt zum einen die Sicherheitstechnik, die laufend weiterentwickelt werde. "Die großen Herausforderungen derzeit sind Security- und Flüssigkeitsscanner. Die kann man noch intensiv weiterentwickeln, während beispielsweise Metalldetektorschleusen schon ziemlich ausgereizt sind. Die können schon sehr viel", sagte Bencza. Schnelligkeit und Qualität der Technologien sind derzeit Thema. Zur zweiten Säule zählt der "Human Factor": Rekrutierung, Schulung und Ausbildung von Sicherheitspersonal. Drittens, müssen in allen Ländern harmonisierte Verfahren bei den Kontrollen gelten. Der letzte, aber ein wesentlicher Punkt, sind laut dem Oberst, ständige Qualitätskontrollen. Dazu wurden nationale und EU-Inspektionen eingerichtet, die die Einhaltung der Standards sicherstellen

"Es hat sich Gewaltiges getan in Sachen Luftfahrtsicherheit. Wobei ich sagen muss: 'Nobody is perfect'", meinte der Experte. (APA)