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ORF-Radiodirektor Karl Amon.

Foto: APA/Fohringer

Karl Amon darf sich als Radiodirektor bereits auf eine weitere Amtszeit im Direktorium Alexander Wrabetz II einstellen, nachdem ihm dieser bereits einen fixen Platz in seinem neuen Team eingeräumt hat. Für die private Konkurrenz sieht er sich gewappnet, wie er im Interview sagte. "Die Marktmacht ist zu halten", meint Amon. Allerdings müsse die Flottenstrategie geschärft werden. In der ORF-Standortfrage pocht er weiter darauf, die Radios nach Möglichkeit dezentral zu belassen.

Im jüngsten Radiotest sah man die drei nationalen Sender Ö3, Ö1 und FM4 "in unterschiedlicher Stärke sehr, sehr gut abschneiden", so Amon, der trotzdem Handlungsbedarf sieht. "Die Summe der Regionalradios hat dieses Mal etwas nachgegeben, aber auch das ist eine temporäre Erscheinung." Das Gegenrezept für den ORF: "Wenn wir die Flottenstrategie wieder ernst nehmen und die Regionalradios weniger im Feld von Ö3 grasen, dann wird mein Plan, die Marktmacht und die Marktstellung zu halten, möglich sein." Erste Ergebnisse lieferte der Radiotest außerdem über die Ö1-Reform, die für Amon damit "geglückt" ist. "Die guten Quoten, die wir bei Ö1 haben, die wirklich sensationell sind, gehen auch auf die Reform zurück."

Communitybildung

In Hinkunft müssten die Radios auch stärker auf Communitybildung achten, glaubt der Hörfunkdirektor. "Wir haben sehr gute Communities. Unsere Ö3-Hörer fühlen sich bei Ö3 zu Hause. Ähnlich die FM4-Community, sie ist einzigartig. Ö1 ist ein weltweiter Ausnahmefall. Der Radiosender Ö1 ist Teil der Lebenskultur für sein Publikum." Community-Pflege betreibt man heutzutage vor allem im Internet. Stehen die jüngsten Einschränkungen durch das ORF-Gesetz 2010 dem nicht im Wege? Amon findet, damit könne man derzeit leben, er ist "aber zuversichtlich, dass wir die eine oder andere Einschränkung bei der nächsten Gesetzesänderung wieder wegbekommen". Konkret: "Bei den Beschränkungen der Werbemöglichkeiten und was die crossmediale Werbung betrifft, gibt es einige Sachen, die uns wehtun."

Für die Amtsperiode Wrabetz II steht unaufschiebbar auch eine Entscheidung darüber an, ob das ORF-Zentrum saniert wird, oder der ganze öffentlich-rechtliche Konzern nach St. Marx übersiedelt, wo bereits eine Option auf eine neue Liegenschaft gelöst wurde. Während die bekannten Planungsvarianten in beiden Fällen einen einzigen Standort für alle ORF-Medien vorsehen, pocht Amon weiter darauf, die Radios dezentral zu lassen, sofern dies finanziell vertretbar sei: "Wenn der Rechenstift zeigt, dass eindeutig ein gemeinsamer Standort konkurrenzlos ist zu allen anderen Möglichkeiten, wären wir blöd, wenn wir die zweit- oder drittbeste Möglichkeit wählen, wenn es die beste gibt. Das vorzeitige und ungeprüfte Festlegen auf die Ein-Standort-Theorie würde ich aber als Fehler empfinden. Ich würde daher ernstlich die Mehrstandort-Theorie prüfen und mit in den Wettbewerb schicken."

Trimedialer Newsroom

Sollte der ORF am sehr weit von der City entfernten Küniglberg bleiben, müsse man über zusätzliche Einrichtungen in Stadtnähe nachdenken, findet der Radiodirektor außerdem. "Wenn die Entscheidung fällt, wir behalten das Zentrum am Küniglberg, müsste man über einen trimedialen Newsroom in Stadtnähe nachdenken. Das einzige, das zwingend stadtnah sein muss, ist der gesamte aktuelle Bereich. Die Reporterinnen und Reporter sind näher bei den Ereignissen. Für die Vertreter der Wirtschaft, der Banken, der Kultur-, der Kunstszene, der Wissenschaft, der Politik, die wir im Studio haben wollen, ist einfach ein stadtnaher Standort viel vernünftiger. Das könnte auch im Funkhaus sein, muss aber nicht."

Kinderradio

In der nächsten Amtsperiode will Radiodirektor Karl Amon ein Kinderradio starten. "FM4 wäre falsch positioniert, wenn wir an FM4 den Anspruch stellen, sie sollen auch die unter 12-Jährigen mitnehmen. Fazit: Die unter 12-Jährigen haben kein Radio. Deshalb bin ich der Meinung, dass wir Kinder-und Jugendradio machen müssen. Internationale Beispiele wie das Berliner Radio 'Teddy' zeigen, dass das notwendig und auch erfolgreich ist."

Verbreiten will Amon den neuen Sender digital, entweder über den Äther oder das Web: "Entweder auf einer digitalen Frequenz beim kommenden digitalen Probebetrieb. Wenn das nicht der Fall ist, wäre Kinderradio fast punktgenau für diese Zielgruppe im Internet angesiedelt. Damit hätten wir auch kein Frequenzproblem."

Das Radiosymphonie Orchester will Amon "ausbauen und auf ökonomisch gesunde Beine stellen", wie er sagt. "Auch hier gilt das Stichwort Community-Pflege. Das heißt, der neue RSO-Manager Christian Scheib und der Chefdirigent Cornelius Meister bauen gerade den 'Verein der Freunde des RSO' aus und bereiten eine für den internationalen Vertrieb konzipierte RSO-CD-Reihe mit den schönsten klassischen Werken der Welt vor." Die RSO-Strukturen sollen außerdem schlanker und transparenter werden und die Verträge mit den Konzertveranstaltern würden neu verhandelt.

Ö1 bekommt außerdem eine wirkliche Senderchefin, die weiterhin Bettina Roither heißen wird. Bisher ist der Kultur- und Infosender ja in mehrere Hauptabteilungen zerklüftet. Das Radiokulturhaus will Amon ausbauen, etwa indem der Balkon für das Publikum geöffnet wird und nach einer Adaptierung 100 weitere Publikumsplätze bieten soll.

Die Zusammenarbeit zwischen Radio und dem neuen Sparten-TV-Kanal ORF III, der auf Kultur und Information spezialisiert sein wird, soll nicht nur Ö1 umfassen, so Amon. "Es gibt auch die Möglichkeit, beispielsweise FM4-Formate zu senden. Der Kulturauftrag des ORF gilt ja auch für die jüngeren Segmente."

Amon sieht keine große Chance für Digitalradio

Wiewohl Deutschland Anfang August mit DAB plus einen neuen Anlauf für Digitalradio startet, räumt Amon dem neuen Standard hierzulande kaum Chancen ein: "Selbst wenn die Digitalisierung in Deutschland sich rechnen sollte und die Einführung danach doch auch in Österreich tatsächlich versucht wird, glaube ich, dass es maximal ein Übergangsmedium ist, weil einfach das Internet die Vorteile der Digitalisierung in viel besserem und preisgünstigerem Umfang bietet."

Kritisch sieht er den Diebstahl von 214.000 Datensätzen durch eine Hackergruppe bei der Gebühreninfoservice (GIS). "Kriminalität gibt es leider in unserem Leben und wahrscheinlich ist man nie 100-prozentig geschützt gegen kriminelle Aktionen. Aber so etwas darf trotzdem nicht passieren und es muss Sicherheit für unsere Kunden geschaffen werden." (APA)