Bild nicht mehr verfügbar.

Nadelöhr Bernauer Straße, 1961 wurde es durch den Bau des "Antifaschistischen Sperrwalls" geschlossen.

Foto: EPA/BILDARCHIV

Berlin - Am 50. Jahrestag des Mauerbaus hat Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit (SPD) den DDR- Bürgerrechtlerin und den osteuropäischen Freiheitsbewegungen gedankt. "Sie haben den Weg zur Überwindung der Teilung geebnet", sagte Wowereit am Samstag laut vorab verbreitetem Redemanuskript. Besonders dankte er dem früheren sowjetischen Staatschef Michail Gorbatschow.

"Fassungslos mussten wir mit ansehen, wie der SED-Staat die Teilung der Stadt zementierte", erinnerte Wowereit an den 13. August 1961. Er sprach vom traurigsten Tag in der jüngeren Geschichte der Stadt und erinnerte an die zahlreichen Menschen, die ums Leben kamen beim Versuch, die Mauer zu überwinden. Der SPD-Politiker rief auch zum Gedenken an die Menschen auf, die in DDR-Gefängnissen wie Bautzen und Hohenschönhausen Unrecht erlitten.

Opfer-Biografien

Mit dem Verlesen von Opfer-Biografien hatte das Gedenken an den Mauerbau in der Nacht zum Samstag in der Kapelle der Versöhnung auf dem früheren Todesstreifen begonnen. Gegen 10.00 Uhr werden auch Bundespräsident Christian Wulff und Kanzlerin Angela Merkel (CDU) erwartet. Deutschlandweit sind die Menschen aufgerufen, mit einer Schweigeminute um 12.00 Uhr der Opfer zu gedenken.

Wowereit sagte, Berlin habe sich seit der Wende rasant entwickelt. "Es gibt allerdings auch Menschen in Ostdeutschland, die dieser Wandel aus der Bahn geworfen hat", hob er hervor. Sie verdienten Solidarität und Respekt für ihre Lebensleistungen.

Kein Verständnis habe er für diejenigen, die Teilung und Mauer nostalgisch verklärten. Wowereit: "Es ist erschreckend, dass auch heute noch einige meinen, die SED habe gute Gründe für die Abriegelung gehabt." Darüber hatte es eine Debatte innerhalb der Linkspartei als Nachfolger von SED und PDS gegeben.

Wulff: Die Freiheit ist am Ende unbesiegbar

Bundespräsident Christian Wulff hat dazu aufgerufen, weltweit für Demokratie und Menschenrechte einzutreten. "Die Erinnerung an das Unrecht der Mauer mahnt uns, diejenigen nicht allein zu lassen, die für Freiheit, Demokratie und Bürgerrechte kämpfen", sagte das Staatsoberhaupt bei der zentralen Gedenkveranstaltung am Samstag in Berlin. "Und sie verlangt von uns, dafür zu sorgen, dass sich Geschichte nicht wiederholt."

Wulff erinnerte auch an den Fall der Mauer 1989. "Die Mauer fiel nicht, sie wurde umgestürzt", betonte er. Auch jetzt seien Veränderungen notwendig und noch mehr wirkliche Freiheit in Deutschland möglich. Dazu gehöre auch, Zuwanderer besser zu integrieren und für alle in der Gesellschaft noch mehr Entfaltungsmöglichkeiten zu schaffen.

Wulff kritisierte, dass sich viele mit Teilung und Mauer abgefunden hätten. Beschämend sei vor allem die um sich greifende Gleichgültigkeit in Westdeutschland gewesen: "Viele gewöhnten sich an die Mauer, viele verharmlosten sie." Wer an die Nation, an Mauer und Stacheldraht erinnert habe, sei als Störenfried oder "Ewiggestriger" beschimpft worden. Unrecht von links habe weniger empört als Unrecht von rechts. Die Sandinisten in Nicaragua hätten mehr Anteilnahme als die ostdeutschen Bürgerrechtler gefunden. In Anwesenheit der Angehörigen von Maueropfern warb Wulff um Verständnis dafür, dass nicht alles in der DDR geschehene Unrecht nach der Einheit verfolgt worden sei. "Wichtiger als die Höhe der Strafen war und ist das Signal, dass Verbrechen gegen die Menschlichkeit nicht ungestraft bleiben."

(APA)