Wien - Im viel beachteten jüngsten Fall von angeblichem kirchlichen Missbrauch liegt nun das Ergebnis des sogenannten Clearing-Verfahrens vor und wird demnächst die Opferschutzanwaltschaft beschäftigen. Laut dem der APA vorliegenden Gutachten einer Psychologin sind die "Grenzverletzungen" durch die beiden beschuldigten Kirchenvertreter als "gravierend einzuschätzen". Empfohlen wird eine weitere Therapie, angeführt wird auch eine mögliche Entschädigung in der Höhe von 70.000 Euro. Bei der Opferschutzkommission bestätigte man der APA das Einlangen des Berichts, will ihn aber inhaltlich nicht kommentieren. Man werde sich in einer der nächsten Sitzungen damit auseinandersetzen.

Bereits im Frühling des Jahres hatte die Opferschutzanwaltschaft der Betroffenen eine Therapie zugesprochen. Die Entscheidung über eine mögliche finanzielle Entschädigung wurde davon abhängig gemacht, dass die Frau ein sogenanntes "Clearing-Verfahren" durchläuft. Es handelt sich dabei um Gesprächs-Sitzungen mit einer Psychologin im Ausmaß von insgesamt zehn Stunden.

Dieses Clearing ist nun abgeschlossen, der "klinisch-psychologische Kurzbericht" der Psychotherapeutin liegt vor. Darin wird "aus klinisch-psychologischer Sicht" ein "eindeutiger kausaler Zusammenhang zwischen den jahrelang wiederholt erlittenen sexuellen Missbrauchshandlungen, Gewalterfahrungen psychischer Art" und dem laut Gutachten Besorgnis erregenden psychischen Zustand der Betroffenen erkannt.

Kommissionssprecher Herwig Hösele bestätigt, dass das Dokument mittlerweile bei der Kommission eingelangt ist. "Wir werden uns in einer der nächsten Sitzungen damit befassen", sagt er. Nach dem Sommer treten die Mitglieder im September erstmals wieder zusammen. Inhaltlich will er die Expertise "in keiner Weise" kommentieren.

Für die Entscheidung der Kommission über Entschädigungszahlungen "orientieren wir uns natürlich an dem Gutachten - aber auch an anderen Grundsätzen", unterstrich Hösele. So würden auch "von Rechtsinstanzen getroffene Entscheidungen" für die Beurteilung hinzugezogen. Die Staatsanwaltschaft hatte im Juli Anzeigen der Betroffenen gegen drei Kirchenvertreter - einen Tiroler Pater, den österreichischen Missio-Generaldirektor Leo Maasburg sowie Kardinal Christoph Schönborn, da dieser über die Vorfälle informiert gewesen sein soll - zurückgelegt. Dies heiße aber a priori auch nicht etwas für den Kommissionsentscheid, so Hösele - das alles werde "eines genauen Studiums bedürfen". Das Clearing war von der Kommission nach Darstellung der Betreuer der Betroffenen in Hinblick auf die Vorwürfe gegen den Tiroler Geistlichen empfohlen worden; die Gutachterin nimmt indes auch auf andere angebliche Vorfälle Bezug.

Die Betreuer der betroffenen Frau "gehen davon aus, dass sich die Kommission selbst ernst nimmt und die Entschädigung wie vorgeschlagen bewilligt", erklärt ein Sprecher der Plattform Betroffener Kirchlicher Gewalt gegenüber der APA. Im übrigen unterstreicht die Plattform einmal mehr ihre Forderung nach einer staatlichen Kommission. (APA)