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Fotos: AP/dapd/APA

Das mediale Schicksal zweier Lebewesen hängt in diesen Tagen am seidenen Faden des Boulevards. Es geht um einen Terminator namens Arnie und um eine Kuh namens Yvonne. Yvonne ist etwas besser dran, ihr fliegen in diesem Sommer die Herzen zu, wie sie Arnie einst im Mai seiner Beziehung zur "Kronen Zeitung" zugeflogen sind. Kein Wunder, liefert Yvonne doch einen medialen Auftritt, von dem sogar Österreichs Regierungsspitze nur träumen kann. Auch die versteckt sich seit Wochen, ohne annähernd die gleiche Aufmerksamkeit zu erregen. Die bayerische Kuh Yvonne versteckt sich wie ein scheues Reh im Wald, mixte der "Kurier" das Psychogramm eines Herdentieres auf Abwegen unter Hinweis auf die Leck-Freunde, die eine Kuh naturgemäß entbehren muss, die sich wie ein scheues Reh im Wald versteckt. Wie Kanzler und Vizekanzler mit einem solchen Verzicht zurechtkommen, hat den Boulevard noch nie interessiert.

Und Arnie? Statt sich nach seinen Leistungen als Gouverneur von Kalifornien wie ein scheues Reh im Wald zu verstecken, schmauchte er sich auf die Titelseite der "Krone", die sein Charakterbild, von der Tschickparteien Hass und Gunst verzerrt, in der Zeitgeschichte schwanken ließ. Rauchersheriffs zeigen "Arnie" an, stand über dem Foto einer Zigarre mit der steirische Eiche dran - die Anführungszeichen sollten eine gewisse Distanz zum früheren Idol signalisieren.

Die Zigarre stets im Mundwinkel: So kennen seine Fans Arnold Schwarzenegger. Doch auch für den "Terminator" gilt das österreichische Tabakgesetz, gab sich das Blatt halben Herzens korrekt. Die andere Hälfte ward im nächsten Satz entblößt: Weil er im Juni auf den Flughäfen in Salzburg und Graz in Nichtraucherzonen beim Paffen beobachtet wurde, zeigten ihn selbsternannte "Rauchersheriffs" an.

Dass die "Rauchersheriffs" am 9. August als selbsternannt entlarvt wurden, entlarvte den Vorfall als kurioses Nachspiel, das von der "Krone" rechtlich sofort als ein "zahnloser Tiger" bewertet wurde. Schon schwerer tat sich das Blatt mit einem Vergehen Arnies im gesetzesfreien Raum, das in den Augen der selbsternannten Herz-Schmerz-Kolumnistin alles andere als ein "zahnloser Tiger" war. Ja, sogar Marga Swoboda hatte ihre Probleme. Ja sicher. Er ist unser Held, größte steirische Eiche aller Zeiten. Terminator, Gouvernator, eigenes Heimat-Museum zu Lebzeiten. Alles bestens. Aber. Bitte. Dieses T-Shirt. Mein Gott, Arnie. Musste das sein.

Das Gestammel galt einem Leiberl mit der Aufschrift "I survived Maria" und einem Terminator im Kriechgang. Arnie, Maria ist die Frau, zu der Sie - Sie! - glückstrunken ans Wochenbett gekrochen sind. Weil sie Ihnen ein Kind schenkte und noch eins und noch eins und noch eins.

Aber irgendwann endet jede Serie, und das mit dem Überlebensleiberl war sehr uncool Arnie! Hätte die Aufschrift "Milka" gelautet - Arnie, nein "Arnie" könnte sich heute desselben Ansehens erfreuen wie Yvonne. Dieser widmete Michael Jeannée einen Brief, und wenn Yvonne ihn mangels Zustellmöglichkeit nicht gelesen hat, der liebe Stier Ernst wird es ebenso getan haben wie der liebe Michael Aufhauser vom weltberühmten Salzburger Tierrefugium Gut Aiderbichl. Er soll Yvonne seinem Besitzer abgekauft haben, um sie mit dem lieben Ernst zu verkuppeln, der, sollte ihm Yvonne ein Kind und noch eins und noch eins und noch eins schenken, sich hoffentlich nie so benehmen wird, dass ihn Marga Swoboda als uncool einstuft.

Während Arnie seine Leck-Freunde in der "Krone" durch Schweigen verunsichert, begann Yvonne in eigener Sache zu sprechen. Jetzt 'spricht' Kuh Yvonne, meldete "Österreich", und der "Kurier" versprach gar ein Kuh-Interview. Yvonne sprach durch die Kuh-Flüsterin Franziska Matti, nachdem ein Lockvogel Ernst (ein Ochse) in dieser Funktion versagt hatte. Die gedämpfte Erotik in Yvonnes Worten war nicht zu überhören. "Es reizt mich schon zu Ernst zu kommen", zierte sie sich, "der Stier ruft mich, aber ich bin sehr vorsichtig." Daran tut sie gut, allzu leicht könnte es sich bei Ernst um einen Arnie handeln. Stier Ernst hingegen, weiß der "Kurier", ist sauer, weil die Kuh nicht aufkreuzt, obwohl er andauernd muht. Kann ein Mann mehr tun?

der Standard ehrte Yvonne in der Rubrik "Kopf des Tages". Jetzt möchte man aber doch mehr über die Kuh-Flüsterin erfahren (30 Minuten Gespräch kosten satte 60 Euro.) Am besten auf der Seite "Wissenschaft". (Günter Traxler/DER STANDARD; Printausgabe, 16.8.2011)