Österreichs Junioren sind ab 28. August bei der EM in Sevilla im Einsatz.

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Swarco Raiders Headcoach Shuan Fatah (l) und sein Amtskollege Hue Jackson (Oakland Raiders).

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Lee Rowland, Andreas Pröller und Shuan Fatah sahen kurz nach ihrer Ankunft in Kalifornien einen Sieg der Arizona Cardinals im O.co Coliseum.

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Die Bundesliga-Saison ist vorbei, die lange Offseason hat dann aber doch noch einiges zu bieten. Tiroler Trainer in Kalifornien, einen Legionär der Vikings in Philadelphia, einen neuen Namenssponsor für die Graz Giants und die Europameisterschaft der Junioren, welche demnächst ansteht.

Die Swarco Raiders, Namensvetter des dreifachen Super Bowl Gewinners Oakland Raiders, sind zum vierten Mal in Folge im Trainingscamp des kalifornischen NFL-Teams zu Gast. Zwischen den beiden Klubs besteht seit einigen Jahren eine durchaus enge Partnerschaft. Diese beschränkte sich anfangs auf den Austausch von Informationen und gegenseitiger Promotion, in Folge entwickelte sich eine Zusammenarbeit auf mehreren Ebenen. Eine davon ist der Transfer von Know-How, wovon natürlich vor allem die Tiroler profitieren.

Die Swarco Raiders sind dabei zuletzt zum quasi „Premium-Partner" geworden, denn was sich in Innsbruck abspielt, das gefällt den Damen und Herren im kalifornischen Weinanbaugebiet Napa Valley sehr gut. Die Übertragungen von RaidersTV (inkl. englischem Kommentar) zum Beispiel, aber noch besser sind natürlich sportliche Erfolge, die man selbst nicht hat. Zur letzten Euro Bowl entsandte Oakland ihren Hall Of Famer Willie Brown und die Raiderettes. Nun steht der Gegenbesuch an. Headcoach Shuan Fatah, Offense Coordinator Lee Rowland und Andreas Pröller (der bereits zum zweiten Mal) nehmen am „International Guest Coach Program" teil.

Viele Fans, kaum Erfolge

Die Oakland Raiders setzen seit den Tagen ihrer großen Erfolge in den späten 70er- und frühen 80er-Jahren auf eine Internationalisierung ihrer Marke und haben sich damit eine ansehnliche globale Fangemeinde aufgebaut. Angesichts der nun schon sehr lange andauernden sportlichen Durststrecke des Klubs ein wahres Husarenstück. Die vergangene Saison - mit acht Siegen und ebenso vielen Niederlagen - war ihre beste seit Jahren, die Playoff-Phase der National Football League haben die „Silver & Black" damit aber erneut nicht erreicht. Heuer mussten die Kalifornier, neben einem erneuten Wechsel auf der Cheftrainer-Position (Hue Jackson kam für Tom Cable), auch einige schmerzliche Abgänge in ihrem Kader hinnehmen. Der bekannteste „Flüchtling" ist Nnamdi Asomugha, der zu den neuerdings als „Dream Team" bezeichneten Philadelphia Eagles wechselte. Asomugha gilt als einer der besten Passverteidiger der Liga, die Eagles legten daher auch wohlfeile 60 Millionen US-Dollar für fünf gemeinsame Jahre auf den Tisch, von denen 25 dem heute bereits 30-Jährigen garantiert sind. Ein netter Deal für einen bald alten Herren.

Aprilscherze im August

Wir bleiben gleich in Philadelphia. Als ich Anfang August dem Raiffeisen Vikings-Präsidenten Karl Wurm mitteilte, dass offensichtlich einer seiner US-Legionäre bei den Eagles im Trainingscamp angereist ist, hielt er das zunächst für einen verspäteten Aprilscherz. Defensive Tackle Brandon Collier fiel in Simmering zwar durchwegs positiv auf, für „NFL-Material" haben den UMASS-Absolventen aber selbst die größten Fans wohl nicht gehalten. Nach einer Verletzungsserie in der D-Line luden die Eagles für ihr Camp nach und engagierten u.a. auch den Wikinger. Daher liegt die Vermutung nahe, dass es sich bei ihm nur um „Camp-Futter" handelt. Allerdings liegt darin natürlich auch eine Chance. Ob er diese überhaupt nutzten kann, das ist mittlerweile sehr fraglich, denn bereits nach zwei Tagen verletzte sich Collier am Sprunggelenk. Der Klub hat mit ihm bereits eine Vereinbarung („Injury Settlement") abgeschlossen, um seinen Roster Spot frei zu bekommen. Die Eagles zahlen die Rehabilitation und er ist vorerst raus. Eine kleine Chance hat er noch, um nach der Genesung im Practice Squad zu landen.

Collier selbst sieht dem Ganzen gelassen entgegen und - egal wie es ausgeht - jedenfalls als wertvolle Erfahrung. „Ich habe die letzten Jahre sehr hart an mir gearbeitet und damit etwas erreicht, wovon viele Spieler nur träumen können. Ich werde alles geben, um es ins Practice Squad zu schaffen. Ich werde mir nicht vorwerfen müssen, etwas im Tank gelassen zu haben", so Collier, der sich zugegebener Weise auch in einem leichten Trance-Zustand befindet. „Du spielst plötzlich mit Leuten, die du davor nur aus dem TV oder von Computerspielen kennst und das ist dann anfangs schon ein sehr seltsames Gefühl. Aber man gewöhnt sich daran. Football bleibt ja immer noch Football."

Mehr Spielraum für Graz

Womit wir beim schnöden Mammon angelangt sind. An finanziellen Mitteln mangelt es so manchem Bundesliga-Klub. Eines davon sind die Graz Giants, die seit Jahren mit einem sehr geringen Budget in der AFL vorne mitmischen. Während in Wien und Innsbruck dutzende Trainer und Funktionäre am Werken sind, ist die Zahl in der Steiermark deutlich überschaubarer. Besser gesagt war sie das, denn das sollte sich nun ändern.

Das in Graz ansässige und international agierende Logistik-Unternehmen JCL ist, offensichtlich auch unter dem (positiven) Eindruck der WM-Spiele in der UPC Arena stehend, neuer Hauptsponsor der Giants. Über die Höhe der Summe, die JCL einbringt, hüllt man sich in Schweigen. Es sei damit jedoch, so der Vorstand des Grazer Klubs, eine „deutliche Verbesserung der finanziellen Situation eingetreten."

Wie ist diese Situation? Graz lebt von seiner langjährigen Football-Kultur, von einem Selbstverständnis für den Sport in der Studentenstadt - ein kleines Power-House, eine Talenteschmiede - die sie oben hält. Die Giants haben dazu zwar nicht immer, aber oft auch noch ein gutes Händchen, was die Auswahl ihrer Legionäre betrifft. Seit ein paar Jahren forcieren sie auch wieder ihre Nachwuchsarbeit und erste Erfolge stellten sich bereits ein, als man im Vorjahr mit den Juniors an den Dragons vorbei zog. Das war vor fünf Jahren noch unvorstellbar.

Was die Grazer nicht haben, das ist Personal. Der Coaching Staff ist so klein wie der Funktionärsstab. Der Wunsch, ein EFL-Halbfinale nach Graz zu holen blieb unerfüllt, dafür muss man beim europäischen Verband EFAF nämlich Geld hinblättern, von dem man ebenfalls zu wenig hatte. Und genau die zwei Dinge sollen sich ändern. Christoph Schreiner, der seine aktive Karriere heuer bei der WM als Spieler beendet hat, wird Vollzeit-Manager, man will mehr Coaches an die Mur holen und im Falle eines Einzugs in ein Euro-Halbfinale um das Heimrecht mitbieten.

Ob Headcoach Rick Rhoades, der auch Teamchef ist, nochmal nach Österreich zurück kehrt, ist ungewiss. Rhoades will das, der Verband als der eine Dienstgeber hat sich dazu noch gar nicht, die Giants als der andere, etwas widersprüchlich geäußert. Man verdankt Rhoades viel, doch Erfolge fehlten in den letzten Jahren und das könnte am Ende auch den Ausschlag gegen den 64-Jährigen geben.

Der Sonne hinterher

Der Sommer ist nur hierzulande heuer ausgefallen, denn Andalusiens Hunde hecheln wie immer. In Sevilla wird ab 28. August zum zweiten Mal nach 2008 die Football-Europameisterschaft der Junioren ausgespielt. Österreich belegte vor drei Jahren Platz 5, nachdem man zuvor vier Mal in Folge (2000, 2002, 2004 und 2006) die Bronze-Medaille erringen konnte.

Es ist ein Blitzturnier (drei Spiele pro Team), mit dieses mal nur sechs statt zuletzt acht Teilnehmern. Auch hier spielen die Finanzen eine Rolle. Russland kann sich die Chose nicht leisten und auch Finnland, dem Österreich 2008 noch unterlag, wird dieses Mal nicht dabei sein.

Österreichs Junioren haben mit Horst Obermayer einen neuen Cheftrainer bekommen, der 2000 bis 2006 schon Defense Coordinator des Serienbronze-Teams war. Um sich herum scharte der Wiener u.a. auch ehemalige Spieler der Juniorenteams von damals, als Coaches von heute, darunter Florian Grein, Jakob Dieplinger so wie die Zwillinge Mario und Roman Floredo.

Ziel ist es, sich zu verbessern und wieder eine Medaille nach Hause zu bringen. Unsere Nemesis Deutschland (no na auch Junioren-Europameister) ist Sonntag den 28. August um halb elf am Vormittag - man will der südspanischen Sonne ausweichen - der erste Gegner. Noch nie konnte eine österreichische Auswahlmannschaft eine deutsche schlagen, allerdings sind die Spiele GER-AUT auch im Juniorenbereich die der ganz engen Sorte. Einen Score, viel mehr waren die Österreicher am Ende nie hinten. Geht es nach dem Geschmack von Obermayer, dann soll sich das 2011 endlich mal umdrehen.

Deutschland wählte aus über 300 Spielern seine 45 Junioren aus, Österreich schöpfte aus einem Pool von etwas mehr als 100 potentiellen Kandidaten. Überlegen ist uns Deutschland auch bei der durchschnittlichen Körpergröße und dem Gewicht. Relativ unorthodox für einen österreichischen Teamchef daher Obermayers Credo, welches besagt, dass man den Gegner nur mit einem besseren Gameplan, ergo mit Taktik, schlagen wird können.

Eingebildete Deutsche

Unerfreulich aus Sicht Obermayers ist die Vorbereitung verlaufen, was den vorgeschriebenen Videoaustausch betrifft. Österreich hat Spiele gegen Serbien, Vizeeuropameister Schweden und das Division 1-Team Vienna Knights absolviert (übrigens alle drei zu Null gewonnen), die deutschen Coaches können sich daher ein rundes Bild von Österreich machen. Umgekehrt spielten die Deutschen selbst kein einziges offizielles Spiel und daher gibt es auch keine Videos von ihnen. Dass der deutsche Cheftrainer bei der Vorbesprechung in Sevilla Obermayer dann eine DVD vom vorjährigen deutschen Juniorenfinale lächelnd in die Hand drückte, empfindet der als blanken Hohn. Sportlich mag Deutschland ein Vorbild sein, ansonsten sind sie für Obermayer ein Gegner, gegen den ein Sieg besonders süß schmecken würde. Er macht keinen Hehl daraus, dass er die deutsche Überlegenheits-Attitüde im Football (die heuer durch den erneuten Verlust der Euro Bowl ein wenig gekränkt wurde) wenig schätzt und befindet sich damit in guter Gesellschaft. Bei der Junioren-EM 2006 kam es zu einem Eklat, als der Ausrichter der Europameisterschaften in Schweden in einem Spielbericht und in einer Presseaussendung Deutschlands Team als „cocky" (eingebildet) bezeichnete. Nach Intervention des Präsidenten des europäischen Verbandes EFAF (no na ein Deutscher), mussten die Schweden wieder zurück rudern und zumindest von der Webseite dieses unschöne Wort entfernen.

Aktuelle Ergebnisse aus Sevilla werden sie auf Football-Austria finden. An der Stelle wird es eine Zusammenfassung der EM nach dieser geben. Ob mit oder ohne „cocky", das lasse ich mir bis dahin noch offen. (Walter Reiterer, derStandard.at - 15.8. 2012)