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Die Preise steigen stärker als die Lohnzuwächse, den Österreichern bleibt also weniger Geld zum Ausgeben. (Foto: Luke Trerice aus den USA versucht sein für Menschen gebautes Hamsterrad)

Foto: AP/The Olympian, Steve Bloom

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Grafik: APA

Wien - Die Teuerungsrate ist in der Eurozone und in der gesamten EU im Juli zurückgegangen, in Österreich hat sie sich hingegen sogar beschleunigt: Sie stieg auf 3,5 Prozent im Jahresvergleich, während sie in den drei Vormonaten stets bei 3,3 Prozent gelegen war. Damit erreicht sie den höchsten Wert seit September 2008 (3,8 Prozent).

Nach europäischer Berechnung für die Euro-Zone (HVPI) lag die Teuerung in Österreich im Jahresabstand sogar bei 3,8 Prozent, da hier Restaurants stärker ins Gewicht fallen. Österreich wies damit gemeinsam mit der Slowakei die höchste Inflation hinter Estland (5,3 Prozent) und Belgien (4,0 Prozent) in der Eurozone auf. Laut Eurostat betrug die jährliche Inflationsrate im Vormonat im Euroraum 2,5 Prozent, in der EU lag die Teuerungsrate bei 2,9 Prozent.

Dienstleistungen teurer

Der stärkste Beitrag zur im Vergleich zum Euroraum in Österreich um 1,3 Prozentpunkte höheren Inflationsrate in Österreich kommt aus dem Bereich Dienstleistungen, erklärt Wifo-Forscher Josef Baumgartner im Gespräch mit derStandard.at. "Hier schlagen die in Österreich stärkeren Preissteigerungen bei Beherbung, Cafes und Restaurants sowie bei Flugpauschalreisen stärker zu Buche. Daneben tragen auch die stärker gestiegenen Preise für Nahrungsmittel, industrielle Konsumgüter und Treibstoffe zum Inflationsunterschied zur Eurozone bei. Eine etwas andere Entwickung zeigt sich hingegen bei der Haushaltsenergie - hier steigen die Preise in Österreich weniger stark an."

Die schlägt aber immer noch kräftig zu Buche. Laut Statistik Austria hätte die Teuerung ohne Mineralölprodukte nur 2,7 Prozent betragen. Hauptverantwortlich dafür sind einmal mehr die Treibstoffpreise, die um 17 Prozent höher als vor einem Jahr waren.  AK-Präsident Herbert Tumpel fordert in einer Aussendung eine Untersuchung der Spritpreisbildung durch die EU-Kommission und die Prüfung des heimischen Treibstoffmarktes durch die Bundeswettbewerbsbehörde. Der AK-Chef erneuerte auch die Forderung, den Preisanstieg bei Nahrungsmitteln eingehend zu analysieren und mit Nachbarländern zu vergleichen, um festzustellen, ob es einen "Österreich-Aufschlag" gebe.

Debatte um Pensionen

Seniorenbund-Obmann Andreas Khol (ÖVP) nannte die volle Abgeltung der Teuerung in einer Aussendung als "Mindestforderung". Für besonders kleine Pensionen werde man "sich noch zusätzlich etwas überlegen müssen". Pensionistenverbands-Präsident Karl Blecha (SPÖ) fordert Maßnahmen gegen die "hausgemachte" Teuerung: So seien zum Beispiel die gleichen Waren in Münchner Supermärkten um 16 Prozent billiger als in Wien. Deshalb habe der Seniorenrat beschlossen, sich mit den Verantwortlichen großer heimischer Handelsketten "auseinanderzusetzen".

Preise steigen stärker als Lohnzuwächse

Offensichtlich ist: Die Preise steigen stärker als die Lohnzuwächse, den Österreichern bleibt also weniger Geld zum Ausgeben. "Wir gehen davon aus, dass die Netto-Reallöhne gegenüber dem Vorjahr um 0,8 Prozent zurückgehen", sagt Baumgartner. "Wenn die realen Haushaltseinkommen stagnieren oder sinken, hat das auch dämpfende Auswirkungen auf den gesamtwirtschaftlichen Konsum." Erst zum Jahresende hin rechnen die Wifo-Forscher mit einer deutlichen Abschwächung der Inflationsentwicklung. 2012 erwarten sie eine Inflationsrate von 2,6 Prozent. (rb, derStandard.at, 17.8.2011)