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Pianist Lang Lang kam bei Chopin etwas zur Ruhe.

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Salzburg - Man muss nicht wie die Herren des "Quatuor Diotima" bis zum Schuhband identisch gekleidet auftreten. Schon gar nicht, wenn man gar kein "Ensemble" ist und nur zufällig zur gleichen Zeit am gleichen Ort zum (schnellen) Spielen zusammenkommt. Im Falle des Solistenkonzerts von Lang Lang, Vadim Repin und Mischa Maisky im Großen Festspielhaus schien aber die Verschiedenartigkeit der Gewandung auch Programm zu sein.

Geiger Vadim Repin, in mattem Dunkelschwarz, stand für kammermusikalisch gedachtes Musizieren und damit auf verlorenem Posten. Der Cellist Mischa Maisky hellseidenglänzend, gab sich als der Solitär, zu dem er sich stilisiert hat, mit dominantem Cello-Ton und dem Gehabe weltentrückten Versunkenseins. Und Pianist Lang Lang, in glänzendem Hellschwarz, konnte nicht genug tun an dramatischem Zuhören und Kommunikation - mit den beiden Herren neben und den zweitausend Leuten vor ihm. Es wäre auch ohne Ton eine Performance gewesen.

Drehen wir dennoch am Lautstärkenknopf, hören wir vor allem das Cello. In Felix Mendelssohn Bartholdys Klaviertrio Nr. 1 d-Moll op. 49 dominierte Maisky noch stärker als in Sergej Rachmaninows Trio élégiaque Nr. 1 g-Moll. Immerhin war diese Interpretation des Rachmaninow'schen Jugendwerks laut, aber plausibel: ein einziges großes Crescendo mit vielen präzise gestalteten Intermezzi des Aufbegehrens und sich Zurückziehens.

Das Spätwerk Mendelssohn Bartholdys polterte dagegen im Tempo unorganisch und überhastet daher. Die schöne und vom Komponisten so elegant verarbeite Melodie im ersten Satz: beliebig hingestrichen, als immer wiederkehrendes Thema im Klang kaum differenziert. Schon hier war "schneller werden" das Stilmittel. Das Andante schien von Mischa Maisky als "Lied ohne Worte" für Cello mit obligater Begleitung aufgefasst zu werden. Im Scherzo und im Finale kam dann Lang Lang zum Durchbruch und schor alles über einen Kamm: Teufelstanz statt Elfenreigen, Gepolter statt Raffinesse.

Dazwischen spielte Lang Lang Chopins Douze Ètudes op. 25: die Finger häufig in der Luft, die gewohnt bizarren Trockenübungen ausführend, immer wieder aber auch auf den Tasten, das übliche Feuerwerk abheizend. Zur Ruhe zu kommen schien er in der sechsten Etüde: Hier ließ er über dem langsamen, behutsam artikulierten Gesang der Unterstimmen die berühmten Terzen der Oberstimme erstrahlen. Auch die siebte Etüde war ein solcher Ruhepunkt, in dem er mit klaren präzisen Linien für Augenblicke in die Werktiefe blicken ließ. Dann wieder Zirkusmusik, Donnergrollen. Manches erinnerte an Chopin. (Heidemarie Klabacher, DER STANDARD/Printausgabe 18.8.2011)