SPÖ-Bundesgeschäftsführer Günther Kräuter hat einen illustren Freund im Geiste - noch dazu einen multimilliardenschweren. US-Investor Warren Buffett beklagte sich unlängst in der "New York Times", dass er viel zu wenig Steuern zahle. Reiche Leute wie er würden vom Staat verhätschelt, weil die Kapitaleinkünfte wesentlich geringer besteuert würden als Arbeitseinkommen, argumentierte Buffett - als habe er die zahllosen Aussendungen des österreichischen SPÖ-Geschäftsführers zum Thema gelesen. Millionäre sollten nach Buffett mehr Steuern zahlen. Das muss Günther Kräuter wie Honig runtergegangen sein.

Dass Kräuter aus der Ecke der ÖVP Ähnliches vernehmen wird, darauf wird er noch warten müssen. Sein Koalitionspartner will nach wie vor von einer Umverteilungsdebatte nichts hören. Das laute Nachdenken der steirischen VP-Landesrätin Kristina Edlinger-Ploder, ob zur Finanzierung der bald unfinanzierbaren Pflege nicht die Wiedereinführung der Erbschaftsteuer überlegenswert werde, wurde von der Wiener Parteizentrale abgedreht. Es sei "eine Einzelmeinung", Eigentum bleibe unangetastet.

Wie lange wohl die ÖVP diese Sturheit noch durchhalten will? Ein Gutteil der öffentlichen Leistungen wird bald nicht mehr finanzierbar sein, und neue Finanzierungsmodelle werden auch die Wohlhabenden treffen müssen. Dieser längst global geführten Debatte wird sich auch die österreichische Volkspartei auf Dauer nicht entziehen können. (DER STANDARD, Printausgabe, 18.8.2011)