Washington - Die US-Regierung nimmt sich nach einem Bericht der "New York Times" Rating-Praktiken der Agentur Standard & Poor's vor. Die Rating-Agentur hatte vor zwei Wochen in einer historischen Entscheidung die US-Kreditwürdigkeit herabgestuft, die USA hatten damit ihre Topbonität verloren. Wie die Zeitung am Donnerstag unter Berufung auf informierte Kreise berichtete, untersucht das Justizministerium, ob S&P im Vorfeld der Finanzkrise Dutzende von hypothekenbesicherten Wertpapieren bewusst "unangemessen" bewertete.

Demnach prüft Washington, ob Analysten des Rating-Riesen Wertpapiere niedriger einstufen wollten, aber von anderen Managern überstimmt wurden. Standard & Poor's war früheren Berichten zufolge bereits in das Visier der US-Börsenaufsicht SEC geraten.

Wasser auf Mühlen von Kritikern

Die Untersuchungen begannen laut "New York Times", bevor die USA erstmals in ihrer Geschichte ihre Topbonität verloren. Aber die Ermittlungen könnten Wasser auf die Mühlen von Kritikern sein, die nach der spektakulären S&P-Aktion offen die Kompetenz und Glaubwürdigkeit der Ratingagentur anzweifeln. So hatte auch die Regierung dem Unternehmen Fehler bei der Berechnung des US-Schuldenberges vorgeworfen, mit dem S&P seinen Schritt begründet hatte.

Das Unternehmen selbst hat stets erklärt, dass seine Analysten bei ihren Bewertungen unabhängig von eigenen Geschäftsinteressen handelten. Sollte sich der Verdacht der Regierung im Zuge der Ermittlungen bestätigen, so die Zeitung, könnte das die Glaubwürdigkeit des Unternehmens untergraben.

Riesenprofite

In den Boom-Jahren vor der Finanzkrise hatten S&P und andere Ratingagenturen mit ihren Höchstnoten für hypothekenbesicherte Wertpapiere Riesenprofite eingestrichen. Die Immobilienkredite erschienen durch die Topbewertung wenige riskant und somit wertvoller. Als der Häusermarkt zusammenbrach, rutschten die Preise für die Wertpapiere in den Keller - der Hauptauslöser der Finanzkrise.

Am vergangenen Wochenende hatte das "Wall Street Journal" berichtet, die US-Börsenaufsicht SEC werde das Berechnungsmodell der Agentur untersuchen. Grund für die Prüfung seien Anschuldigungen aus der US-Regierung, dass S&P bei der Berechnung einer Fehlkalkulation aufgesessen sei. Die Regierung hatte der Agentur vorgeworfen, sich in ihren langfristigen Schuldenprojektionen um zwei Billionen Dollar (1,4 Bill. Euro) verkalkuliert zu haben. Ein S&P-Sprecher hatte der Zeitung gesagt, dass das Unternehmen in regelmäßigem Kontakt mit Regulierungsbehörden stehe, wollte aber nichts zu diesem speziellen Fall sagen. (APA)