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Wie lange der Schirm die Wirtschaft vor den Crashes an den Börsen noch beschützen kann?

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Frankfurt - Die anhaltenden Turbulenzen an den Finanzmärkten schürt bei Wirtschaftsexperten die Sorge vor einem Übergreifen auf die Realwirtschaft. "Die schwachen Märkte schwächen die Konjunktur - was wiederum die Märkte belastet. Das ist ein Teufelskreis, aus dem es keinen einfachen Ausweg gibt", sagte Joachim Fels, Chefökonom der US-Bank Morgan Stanley , der "Welt am Sonntag". Er sieht das Risiko, dass Deutschland innerhalb der kommenden zwölf Monate in eine Rezession rutscht, inzwischen bei 25 Prozent. "Für die Eurozone insgesamt beträgt das Risiko eher 50 Prozent."

Die Angst vor einem weltweiten Wirtschaftsabschwung angesichts der hohen Verschuldung vieler Staaten sorgt seit Tagen für große Nervosität an den Märkten. Der deutsche Dax hat in der vergangenen Woche 8,6 Prozent verloren. Seit Anfang August büßte der Aktienindex gut 23 Prozent ein. Der Monat August könnte für den 1988 eingeführten Leitindex zum schwärzesten seiner Geschichte werden.

Kurzarbeit

"Natürlich hat das Auswirkungen auf die Konjunktur", sagte auch Thomas Straubhaar, Chef des Hamburgischen Weltwirtschafts-Instituts, den Zeitungen der WAZ-Gruppe. "Es sind enorme Vermögen vernichtet worden. Das hat Rückwirkungen auf die Investitionstätigkeit der Unternehmen und das kann rasch auch wieder zu Kurzarbeit in den Betrieben führen", betonte der Ökonom.

Auch in der Finanzkrise 2008 hätten die Turbulenzen an den Märkten an sich nichts mit realen Werten zu tun gehabt, sondern sind nur mit Panik und Herdentrieb zu erklären. "Doch das nützt nichts, wenn es trotzdem zur Ansteckung auf die Realwirtschaft kommt", stellte er klar. Eine Rezession sieht Straubhaar allerdings nicht. Auch Frank Engels, Europa-Chefökonom von Barclays, erwartet keine globale Rezession. "Aber die Turbulenzen an den Märkten drücken die Wachstumsaussichten weiter", sagte er der "Welt am Sonntag". (APA/Reuters)