Bei der EM schnappte Österreichs Michael Zellinger (rechts) im Gruppenspiel gegen Finnland zwar daneben. Den Sieg schnappte sich aber Österreich. Das Mixed-Team wurde Achter.

Foto: Vaclav Pachta

Maribor/Wien - Christine Stelzhammer ist Kapitänin des österreichischen Nationalteams. Sie selbst spielt seit sieben Jahren Ultimate Frisbee. Ganz zufällig ist sie zu der Sportart gekommen. Eine Freundin wollte etwas Neues ausprobieren und überzeugte sie, gemeinsam einen Ultimate-Kurs am Wiener Universitätssportinstitut zu belegen.

Die Wochenenden sind seither ausgebucht, die 30-Jährige reist mit ihrem Damen- oder Mixed-Team zu Fun- und Großturnieren. Bezahlt wird alles aus eigener Tasche, übernachtet wird in billigen Unterkünften, oft sogar im Zelt. Sponsoren haben andere, die Skifahrer, die Schwimmer, die Fußballer. "Aber so ist es eben, wenn man eine Randsportart ausübt." Der schnelle und laufintensive Teamsport aus den USA vereint für die Sportwissenschafterin hohe athletische, taktische und wurftechnische Anforderungen mit einem ausgeprägten Raum- und Spielverständnis und mit Fairplay. "Es ist der Spirit, der den Schiedsrichter ersetzt."

Fairplay

Mit dem sogenannten Spirit wird im Ultimate Frisbee der Respekt vor dem Gegner und das Einhalten des Regelwerks bezeichnet. Er, der Respekt, ist das erste und wichtigste Prinzip. Einen Referee gibt es nicht, die Verantwortung für ein faires Match liegt bei den Athleten selbst. "Die Spieler wachsen mit dem Fairplay-Gedanken auf. Sie wissen, dass das Spiel sonst nicht funktioniert, egal ob es ein Fun-Turnier ist oder eine Weltmeisterschaft", sagt Stelzhammer. Da darauf vertraut wird, dass keine oder keiner absichtlich die Regeln verletzt, werden Fouls und Verstöße nicht bestraft. Die Beteiligten klären den Vorfall selbst. Kommt es zu keiner Einigung, wird die alte Spielsituation wieder neu hergestellt.

Abgesehen vom Fairplay ist es das außergewöhnliche Spielgerät, das den Teamsport Ultimate so einzigartig macht. Um am Gegner vorbeizuwerfen, einen Mitspieler punktgenau anzuspielen oder weite Pässe in die Endzone zu geben, bedarf es unterschiedlicher Wurftechniken.

Am Ende jedes Turniers gibt es logischerweise einen Gewinner, zusätzlich wird auch die fairste Mannschaft, der Spirit-Sieger, geehrt. "Ich bin froh, dass ich einen Teamsport ausübe, bei dem ich nicht ständig damit rechnen muss, absichtlich getackelt zu werden", sagt Stelzhammer, die kürzlich mit ihrem Damen-Team "Wadies" aus Wien die ersten Staatsmeisterschaften gewann. Von den Europameisterschaften Anfang August in Maribor kehrte sie mit der Nationalmannschaft als Spirit-Siegerin heim.

Wenig Publikum

In Slowenien machten rund 1000 Sportlerinnen und Sportler aus 21 Nationen mit. Lediglich ein paar mickrige Plakate wiesen auf die Veranstaltung hin. Und nur wenige Zuschauer fanden sich auf den Tribünen im Sports Park Tabor sowie auf den Fußballfeldern von Pohorje ein, unmittelbar neben der berühmten Weltcupriesenslalompiste. Diese Tatsache überraschte und störte die Ausübenden der Randsportart nicht wirklich. Sie boten sich gegenseitig ein begeistertes Publikum. Abseits des Hauptgrundes, Ultimate auf hohem kompetitivem Niveau zu spielen, waren sie nach Maribor gekommen, um bekannte Gesichter aus ganz Europa zu treffen und mit Freunden eine schöne Zeit zu verbringen.

Der Abschied fiel diesmal nicht ganz so schwer, viele sehen sich ohnehin dieser Tage bei der Beach-WM im italienischen Lignano wieder. Anlässlich dieses Events wichen Sonnenschirm- und Liegestuhlreihen einem Frisbee-Areal inklusive Partyzelt und elf Spielfeldern. Stelzhammer: "Zum Glück ist die Anreise für österreichische Athleten nur kurz und somit kostengünstig." Aber darauf kommt es ihr nicht an. "Ultimate is a way of life." (Silke Almesberger, DER STANDARD Printausgabe, 22. August 2011)