Graz - Fettleibigkeit, Diabetes und Herz-Kreislauf-Krankheiten sind in Industriestaaten Massenerkrankungen geworden. Ursache können Feststoffwechselstörungen sein: Ist z.B. die Funktion des Enzyms Adipose Triglyceride Lipase (ATGL) fehlerhaft, kommt es zu massiven Einlagerungen von Fett in allen Körperzellen. An der Universität Graz haben Forscher einen ATGL-abhängigen Faktor bei der Steuerung des Fettstoffwechsels entdeckt.

Fette sind nicht nur Langzeitspeicher von Energie, sie dienen auch als wichtige Botenstoffe und Signalmoleküle im Körper. "Um gespeichertes Fett zu mobilisieren, besitzt der Körper spezielle fettspaltende Enzyme, die Lipasen. Jede Lipase ist für einen ganz bestimmten Schritt im Abbau verantwortlich", erklärt Rudolf Zechner vom Institut für Molekulare Biowissenschaften an der Universität Graz, der mit Günter Hämmerle federführender Autor des in der Fachzeitschrift "Nature Medicine" erschienenen Beitrags ist. "ATGL ist das Schrittmacher-Enzym, das den wichtigen ersten Schritt im Abbau von Speicherfetten durchführt", so Zechner, dem für die Entdeckung des ATGL im Jahr 2007 der Wittgenstein-Preis verliehen wurde.

Gemeinsam mit internationalen Partnern und Kollegen der Medizinischen Universität Graz und Forschern der Veterinärmedizinischen Universität Wien fand das Team um Hämmerle und Zechner heraus, dass die Fettspaltung durch ATGL Signalmoleküle erzeugt, die den Energiestoffwechsel steuern. Diese Signalmoleküle aktivieren sogenannte nukleäre Rezeptoren, die wiederum die für die Funktion der Zelle unerlässliche zelluläre Energieproduktion regeln.

Folgen des Enzymmangels

Im Grazer Experiment erkannten die Forscher, dass bei Mäusen, denen das fettspaltende Enzym ATGL fehlt, jene Signal-Fettmoleküle nicht erzeugt werden, welche die Funktion der nukleären Rezeptoren steuern. Dadurch waren die Mitochondrien - die "Kraftwerke" der Zellen - in den Mäusen nicht mehr funktionstüchtig und die Energieproduktion durch die Verbrennung von Fett oder Zucker war stark reduziert. Als Folge verfetteten die Mäuse und starben wenige Monate später an Herzversagen.

Bei jenen Mäusen, die mit Medikamenten behandelt wurden, welche die nukleären Rezeptoren aktivieren - ohne, dass ATGL benötigt wird -, arbeiteten die Mitochondrien jedoch wieder normal und die Herzfunktion erholte sich, schilderte Projektsprecherin Caroline Schober-Trummler. Die Ergebnisse würden daher einen Therapieansatz für Patienten liefern, die an der sogenannten Neutralfett-Speicherkrankheit leiden: Bei ihnen ist die Funktion von ATGL fehlerhaft. Es bestehe Hoffnung, dass mit Medikamenten zur Aktivierung nukleärer Rezeptoren, die bisher jedoch nur für Krankheiten wie Diabetes zugelassen sind, auch diesen Patienten geholfen werden kann, so Schober. (APA/red)