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Setzt auf Dialog und Überzeugungsarbeit, um die großen Gesundheitsbrocken zu stemmen: Minister Stöger.

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Alpbach - Noch am Sonntagabend herrschte bei den Teilnehmern der Gesundheitsgespräche beste Laune. Die in den Arbeitskreisen erarbeiteten Lösungsvorschläge zu den brennenden Problemen im Gesundheitssystem wurden im Plenum noch einmal abgestimmt. Das hatte ein bisschen das Flair der Millionenshow, denn jede geforderte Maßnahme bezüglich Kindergesundheit, bei chronischen Erkrankungen, Pflege und bei Patientenrechten braucht Geld. Die rund 200 Teilnehmer votierten eindeutig dafür, das Budget für Gesundheit und Pflege zusammenzulegen. In der Dringlichkeit auf Platz zwei: die Früherkennung von Diabetes, dem "leisen Killer des 21. Jahrhunderts", der unerkannt nicht nur Leid, sondern auch enorme Kosten verursacht. Einhellig auch das Bekenntnis zu einem wesentlich strengeren Nichtraucherschutzgesetz und Maßnahmen zur Verbesserung der frühen Hilfen für Kinder.

Dieses Paket wurde am Montagmorgen dann der Elefantenrunde präsentiert. Mit einem Schlag traf Wunsch auf Wirklichkeit. Gesundheitsminister Alois Stöger bedankte sich für das Engagement, wiederholte sein Bekenntnis zu solidarischer Finanzierung und föderalistischen Strukturen und betonte einmal mehr, dass sein Ressort nur sehr begrenzt die großen Probleme in Angriff nehmen kann. Er setze auf Dialog und Überzeugungsarbeit in Fragen von Ernährung und Prävention, ganz konkret wird bei der Kindergesundheit ab 2012 die Pneumokokken-Impfung kostenlos sein.

Konkreter dann Kristina Edlinger-Ploder, steirische Landesrätin für Gesundheit: "Bewusstseinsbildung ist wichtig, aber darauf zu warten, bis sie greift, ist zu wenig. Warum dürfen Coca-Cola-Automaten in unseren Schulen aufgestellt werden?", fragte sie und scheute auch nicht davor zurück, dem Recht auf Gesundheit gewisse Pflichten gegenüberzustellen. Gesundheit sei Querschnittsmaterie, es könnten nur gemeinsam Lösungen erzielt werden.

Handeln statt reden

Wie schwierig das ist, weiß Hans-Jörg Schelling, Vorstandsvorsitzender des Hauptverbandes der Sozialversicherungsträger. "Wir sind Wissensweltmeister, aber Umsetzungszwerge", konstatierte er und sprach sich einmal mehr dafür aus, zentrale Fragen der Gesundheit auf Bundesebene zu lösen. Parlamentarische Entscheidungen sollten immer auch auf ihre Gesundheitsverträglichkeit überprüft werden, meinte Schelling. Und es nütze nichts, wenn der Hauptverband für chronische Erkrankungen elf Disease-Management-Programme ausarbeitet, die aus politischen Gründen dann von den Ärzten torpediert werden.

Spätestens dann hatte die Realität die Gesundheitsgespräche wieder eingeholt. Die Podiumsteilnehmer erklärten ihre komplexen Strukturen, Bundesminister Stöger und Hauptverbandschef Schelling waren sich einig, Strukturen nicht anhand der existierenden Dienstleister, sondern anhand von Patientenbedürfnissen lösen zu wollen. Und: Die Finanzierung der Pflege müsse, so der Minister, weiter mit Steuergeldern gesichert werden. Einig war man sich auch über eine Aufwertung der Pflegeberufe, eine Differenzierung in den Betreuungsleistungen, denn sonst, so Schelling, "wird uns das Thema Pflege sehr bald dramatisch einholen". (Karin Pollack, STANDARD-Printausgabe, 23.8.2011)