Der Nachbarschaftsgarten in der Heigerleinstraße im 16. Bezirk wird seit drei Jahren von den Grätzelbewohnern gehegt, gepflegt und geschmückt.

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Wien - Für 3600 Euro kann man einiges für den Garten anschaffen - 240 Kilo Rasensamen etwa oder 400 Rosensträucher, zehn Rasenmäher oder 3000 Gemüsepflanzen, und wer mag, kann um das Geld drei Gartenhäuschen aufstellen.

Seit Juli fördert die Stadt unter dem Motto "gemeinsam garteln verbindet" pro Bezirk einen Nachbarschafts- oder Gemeinschaftsgarten mit maximal 3600 Euro. Dazu kommen noch Sachleistungen wie zum Beispiel Erde oder Holz für die Beet-Einfassungen. Die Stadtgärtner stellen außerdem den Garten-Newcomern, die zwar ihren grünen Daumen entdeckten, aber zu Beginn beim Gemüseziehen und Blumenanbauen doch noch zwei linke Hände haben, ihr Know-how kostenlos zur Verfügung.

"Die gemeinsam bewirtschafteten Gärten schaffen ein Grätzelgefühl", sagt Umweltstadträtin Ulli Sima (SP). Die rot-grüne Stadtregierung hat die Förderung der Gartenprojekte im Koalitionspapier festgeschrieben. Grünen-Umweltsprecher Rüdiger Maresch kann sich sogar vorstellen, dass es künftig die Förderung für mehr als bloß einem Garten pro Bezirk geben könnte. "Die Nachfrage nach Nachbarschaftsgärten ist sehr groß" , sagt Maresch.

Derzeit werden mit der neuen Förderung der Gemeinschaftsgarten Steinhagepark im 12. Bezirk und ein Garten im Josef-Kaderka-Park in Hernals errichtet. Im Arenbergpark im 3. Bezirk startet demnächst ein Gartenprojekt. Im 8., 20. und 23. Bezirk gibt es ebenfalls Interessierte, die gemeinsam in der Erde graben und kollektiv Gemüse und Obst ernten möchten.

Die Voraussetzungen, um die Unterstützung durch die Stadt zu erhalten: Es muss ein Trägerverein als Vertragspartner fungieren, weiters ist ein Nutzungsabkommen mit den Grundeigentümern notwendig - empfohlen wird eine Laufzeit von mindestens drei Jahren, der Garten muss öffentlich zugänglich sein (etwa durch fixe Öffnungszeiten), und die jeweilige Bezirksvorstehung muss zustimmen. Die zentrale Anlaufstelle für Grünzeug-Fans ist die MA42.

Friede, Freude, Eierfrucht

25 gemeinschaftlich bewirtschaftete Gärten gibt es in Wien bereits. Ein Großteil liegt im städtischen Freiraum, einige Gärten wurden in Gemeindebauten oder auf privat gepachteten Flächen angelegt. Der erste "Community Garden" wurde vor drei Jahren in der Heigerleinstraße in Wien-Ottakring angelegt. Rund 50 Hobbygärtner, ein Kindergarten und das Haus der Barmherzigkeit haben dort ihre Beete auf 200 Quadratmetern angelegt. Die übrigen 1000 Quadratmeter werden gemeinsam genutzt. Wie sehr gemeinsame Gartenarbeit auch die Verantwortung der Einzelnen hebt, erkenne man daran, dass es noch niemals Vandalenakte gegeben habe, sagt Sima. "Dabei ist der Zaun gerade einmal halbhoch."(Bettina Fernsebner-Kokert, DER STANDARD; Printausgabe, 23.8.2011)