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Danny Welbeck, nach Preston und Sunderland verliehenes United-Eigengewächs, blüht nun in heimischer Erde.

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Manchester - Er komme gerne hierher, sagte Spurs-Boss Harry Redknapp, Old Trafford sei ein besonderer Ort. Auch und besonders für die Londoner. Sie haben hier nämlich seit über 21 Jahren nicht mehr gewinnen können. Und Sir Alex Ferguson, vor der Partie vielleicht auch deshalb ein besonders gut gelaunter Autogrammschreiber, ließ sich auch von einer verletzungsbedingt neuformierten Abwehrreihe mit Phil Jones und  Jonny Evans in ihrem Zentrum nicht in seinem Vertrauen erschüttern. Überhaupt standen mit Wayne Rooney, Nani und Evra gerade noch drei Mann aus der Stammformation der Vorsaison im Aufgebot des Alten.

United war bemüht, die montägliche Begegnung von Beginn an zu kontrollieren - und das gelang auch ganz gut. Tottenham, das nach der, den Londoner Unruhen geschuldeten, Absage der Erstrundenbegegnung mit Everton seinen ersten Auftritt der neuen Premier-League-Saison absolvierte, war im Aufbauspiel zu fehlerhaft. Nico Kranjcar ersetzte den abwanderungswilligen Luka Modric als Kreativzentrum eher einfallslos. Zudem ließ die hochgeschätzte Flügelzange, bestehend aus Gareth Bale und Aaron Lennon, das Beißen weitgehend sein. Ashley Young und Nani, das Gegenstück in Rot, zeigte sich da deutlich unternehmungslustiger.

In der achten Minute dann, hätte ein Versuch von Tom Cleverley, Uniteds zweitem Mann im zentralen Mittelfeld, Manchesters Führung zur Folge gehabt - wäre da nicht der alte Brad Friedel gewesen. Der Spurs-Goalie erreichte blitzschnell den Boden und wehrte den aus rund 20 Metern verdeckt abgegebenen Schuss formidabel ab. Der 40-Jährige ist quasi die Verkörperung von Tottenhams bisherigem Transferprogramm, Redknapp ist dringend auf der Suche nach weiteren Neuzugängen. Neun Tage bleiben ihm noch, um fündig zu werden.

Dann sorgte der neue United-Tormann für Aufsehen: David De Gea, eiskalt und wahnwitzig zugleich, setzte gegen Rafael van der Vaart am Fünfer einen eleganten Haken an (12.). Der Niederländer kam dem Ball sehr nahe, ließ dabei jedoch den Fuß stehen. Referee Probert entschied natürlich auf Foulspiel. Edwin van der Sar dürfte angesichts dieser Aktion seines Nachfolgers auf der Tribüne trotzdem der kalte Schweiß ausgebrochen sein. Abgesehen davon erwies sich der junge Spanier bei drei Distanzschüssen aber als sicherer Fänger. Er müsse sich an die englischen Verhältnisse erst noch gewöhnen, hatte Ferguson gemeint, und für seinen Schlussmann schiedsrichterlichen Schutz bei überbordenden physischen Zudringlichkeiten gefordert.

Noch in der letzten Woche hatte Tottenham am Beispiel der Hearts of Midlothian bei einem 5:0-Spaziergang in Edinburgh die aktuelle Malaise des schottischen Fußballs im europäischen Konzert recht schonungslos vorgeführt. Für ähnlich elegante Ballstaffetten wie in der Qualifikation zur Europa League war aber diesmal der nötige Raum schlicht nicht vorhanden. United hielt den Gegner an der kurzen Leine und wirkte zumindestens atmosphärisch gefährlicher. Zu richtig knackigen Chancen reichte es allerdings für Fergusons Team, das in der letzten Saison bis auf eines alle seine Heimspiele siegreich beendet hatte, vor der Pause auch nicht mehr.

Der Meister eröffnete die zweite Halbzeit mit einer bewegungsgesättigten Kombination über Rooney, Young und Danny Welbeck, die von letzterem schießend finalisiert wurde. Friedel befand sich jedoch erneut auf dem Posten (46.). Wenig später machte er bei einer Doppelchance von Anderson und Rooney alles richtig (54.), deren Schüsse etwas zu unkonzentriert angesetzt waren und gar sehr zentral endeten. Die erste Viertelstunde nach Wiederbeginn erwies sich als sehr unterhaltsame Phase, da auch die Spurs sich mehr Direktheit verordnet hatten. Es schien sich etwas zu entfalten, was einem offenen Schlagabtausch sehr nahe kam.

Nicht von ungefähr folgte ein Tor auf dem Fuße. Cleverley schlenzte aus dem Fußgelenk von der rechten Seite in die Mitte, wo Welbeck den Ball per Kopf ins lange Eck weiterstreichelte (61.). Erstmals war die Innenverteidigung der Spurs nicht gut sortiert, Dawson hatte seinen Mann aus den Augen verloren. Rooney hätte mit einem einfallsreichen Freistoß beinahe nachgedoppelt, Friedel aber war rechtzeitig Richtung kurze Stange losgeflogen (65.).

United ging jetzt immer mehr aus sich heraus, der Abtausch war in die Einbahnstraße abgebogen. Besonders die Nachrücker Cleverley, Welbeck und der von Aston Villa gekommene Young waren sehr bemüht, Eindruck auf ihren Chef zu machen, der drauf und dran ist, die x-te neue Generation seiner Ära einzuführen. Tottenham wirkte im Vergleich sehr eindimensional, mehr als die ein oder andere Einzelaktion von Bale oder Jermain Defoe hatte man nicht zu bieten. Sie alle versandeten zudem rasch.

Gerade als man monieren mochte, dass United trotz der eklatanten Überlegenheit nur einen Treffer vorzuweisen hatte, fiel der zweite. Ungestört durften sich die Gastgeber in Person von Anderson nach vorne orientieren. Der Brasilianer leierte einen Doppelpass mit Welbeck an, den der 20-jährige Stürmer mittels eines Ferslers mit ordentlich Sternenstaub anreicherte und Anderson in Stand setzte, aus kurzer Distanz locker einzuschießen (76.). Sehr schön.

Schlechtes Timing von De Gea bei einer weiten Flanke erlaubte es dann zwar Defoe, einen Stangenschuss anzubringen (79.). Doch diese Schwalbe war meilenweit von einem Sommer entfernt. Rooney blieb es im Gegenteil vorbehalten, mit einem weiteren Tor für frostige Stimmung im Gästelager zu sorgen. Tottenhams Verteidiger hatten sich standhaft geweigert, den um den Elfmeterpunkt geparkten Gegner zu decken oder sonstwie an seinem Kopfball zu hindern. Der eingewechselte Ryan Giggs erledigte in seinem 613. Ligaspiel mit einem gefühlvollen Schupfer auf den kurzgeschorenen Schädel des United-Sturmführers die Vorarbeit (88.).

Fergusons neuestes Geschöpf liegt nach dem zweiten Sieg im zweiten Spiel nun in der Tabelle auf Platz zwei hinter dem Stadtrivalen Manchester City. (Michael Robausch - derStandard.at 22.8. 2011)

Premier League, zweiter Spieltag:

Manchester United - Tottenham Hotspur 3:0 (0:0); Old Trafford 75,498

Tore: Welbeck (61.), Anderson (76.), Rooney (88.)

United: De Gea, Smalling, Jones, Evans, Evra, Anderson, Cleverley (Giggs 81.), Nani, Young (Park 81.), Rooney, Welbeck (Hernandez 81.)

Spurs: Friedel, Walker (Corluka 46.), Dawson, Kaboul, Assou-Ekotto, Lennon, Livermore (Huddlestone 75.), Kranjcar (Pavlyuchenko 75.), Bale, Van der Vaart, Defoe