Warschau - Der Streit zwischen Polen und Litauen um die nationalen Minderheiten im jeweiligen Land kommt nicht zur Ruhe: In der polnischen Gemeinde Punsk in der Nähe der Staatsgrenze verschandelten Unbekannte 28 zweisprachige Ortstafeln. Das polnische Außenministerium sprach in einer Stellungnahme von einem "nicht hinnehmbaren Akt des Vandalismus".

Die Täter übermalten mit Spraydosen die litauischen Ortsnamen mit weißer und roter Farbe - in der Form der polnischen Flagge. Gleichzeitig wurde ein Denkmal für die in der Geschichte erste Theateraufführung in litauischer Sprache verschandelt, die im Dorf Punsk stattfand. Von den rund 4.000 Einwohnern der Gemeinde Punsk, zu der 33 Dörfer gehören, sind rund 80 Prozent Litauer.

In der Vergangenheit habe es nur vereinzelt Schmierereien an Schildern in litauischer Sprache gegeben, sagte der Gemeindevorsteher Witold Liszkowski der baltischen Nachrichtenagentur BNS, hier habe es sich aber um "eine geplante, organisierte Aktion" gehandelt. Die Ursache sieht der Gemeindevorsteher in "unverantwortlichen und unversöhnlichen Äußerungen polnischer Politiker über Litauen". Die polnische Zeitung "Gazeta Wyborcza" sprach von einer "Eskalation des Hasses", die sich in dieser Tat geäußert habe.

Polen wirft Litauen seit längerem vor, die in der EU vorgeschriebenen Standards für die Behandlung nationaler Minderheiten nicht zu beachten. Dazu gehört die Anbringung zweisprachiger Ortstafeln in Gebieten mit überwiegend polnischstämmiger Bevölkerung, die in Litauen aber nicht gestattet ist. Im Frühling stieß ein neues litauisches Schulgesetz in Warschau auf Kritik, weil es auch in polnischsprachigen Schulen mehr Unterricht auf Litauisch vorsieht.

Während in Polen rund 15.000 Menschen litauischer Abstammung leben, gibt es auf der anderen Seite der Grenze rund 350.000 Polen, was etwa ein Zehntel der Bevölkerung ausmacht. Viele Litauer lehnen weitergehende Rechte für die Minderheit ab, weil sie darin eine Bedrohung für ihre Kultur sehen. Die polnische Sprache und Kultur waren in Litauen über Jahrhunderte dominierend. (APA)