San Francisco - Wieviel Tier-, Pflanzen- und Pilzarten leben derzeit auf der Erde? Bisherige Schätzungen zur globalen Artenvielfalt gehen weit auseinander: Experten sehen die Zahl zwischen drei und 100 Millionen. Ein internationales Forscherteam hat unter Anwendung modernster Analyseverfahren nun eine Schätzung versucht und ist auf 8,7 Millionen Spezies gekommen - der überwiegende Großteil davon ist der Wissenschaft allerdings noch gänzlich unbekannt. Die Untersuchung amerikanischer und britischer Forscher wurde nun im Fachjournal "PLoS Biology" veröffentlicht.

Zu beachten dabei: Bei ihrer Analyse zählten die Forscher nur Eukaryoten, also Lebewesen, die einen Zellkern haben. Lebewesen ohne Zellkern, also Bakterien und Archaeen, wurden nicht mit in die Schätzung aufgenommen. Der mit Abstand größte Teil der Eukaryoten sind Tiere (knapp 7,8 Millionen Arten), gefolgt von Pilzen (rund 610.000) und Pflanzen (knapp 300.000). Rund ein Viertel aller Arten lebt in den Ozeanen.

Berechnung des noch Unentdeckten

Mit einer neuen Analysetechnik sei es ihnen gelungen, die Spanne vorheriger Schätzungen stark einzugrenzen, schreibt das Team um Camilo Mora von der Universität Hawaii und der Dalhousie Universität in Halifax (Kanada). Die Forscher nahmen das Wissen über Stamm und Klasse als Basis und schlossen daraus auf die Artenzahl. Dabei analysierten sie gut erforschte Stämme und folgerten daraus auf die Artenzahl von weniger bekannten. So kamen sie auf 8,7 Millionen - plus/minus 1,3 Millionen.

Nach Ansicht der Forscher kennt der Mensch bisher nur einen Bruchteil der enormen Vielfalt: 86 Prozent aller an Land und 91 Prozent aller in den Ozeanen lebenden Arten seien noch unentdeckt und nicht erfasst. Würden die verbleibenden Arten mit Hilfe heutiger Methoden und bei heutigen Kosten beschrieben, müssten über 300.000 Taxonomen 1.200 Jahre lang arbeiten, berichteten die Forscher. Das Vorhaben würde umgerechnet rund 250 Milliarden Euro verschlingen.  (red/APA)