Wien - "Auch ich wünsche mir, dass in Sachen der Zulassungsbedingungen zum Priesteramt der Heilige Geist der Kirche noch einmal etwas Neues zeigt und neue Wege eröffnet. Wenn es hier einmal Veränderungen gibt, dann wohl nicht aus praktischen oder strategischen Überlegungen, sondern aus tieferer theologischer und geistlicher Einsicht" - Nein, dieses Zitat entstammt nicht dem Forderungskatalog der derzeit vieldiskutierten Pfarrerinitiative rund um Helmut Schüller. Vielmehr ist dies die überraschende Meinung von Veronika Prüller-Jagenteufel - seit Jahresbeginn Pastoralamtsleiterin der Erzdiözese Wien und damit eine der engsten Mitarbeiterinnen von Kardinal Christoph Schönborn.

Unter dem Titel "Gottes Kreativität vertrauen und das Mögliche tun" schrieb Prüller-Jagenteufel einen Kommentar in der Sommerausgabe von Thema Kirche, der Mitarbeiterzeitung der Erzdiözese. Neben den mahnenden Worten des Kardinals ("Aufruf zur Einheit" ) beschäftigt sich auch die Pastoralamtsleiterin ausführlich mit dem "Aufruf zum Ungehorsam" der Pfarrerinitiative. Und teilt ganz offensichtlich deren Ansichten über eine Lockerung beim Zölibat.

Nur ein Wunsch

Als "ungehorsam" sieht sich Prüller-Jagenteufel aber auf Nachfrage des Standard dennoch nicht: "Ich habe einen Wunsch benannt, das ist etwas anderes. Mir liegt daran, dass Reformen in der Kirche in gemeinsamer Übereinstimmung gefunden werden; ein Anliegen, das - so nehme ich an - wohl auch die meisten in der Pfarrer-Initiative teilen."

Ob nicht im Kern die Forderung nach einer Änderung der Zulassungsbestimmungen für das Priesteramt gleich ist? Prüller-Jagenteufel: "Das Kirchenrecht ist zu akzeptieren. Aber wir dürfen zugleich die Ohren offen halten für Neues." Ärger mit dem Kardinal fürchtet sie nicht: "Es gibt eine legitime Vielfalt theologischer Meinungen." Die scheint aber offensichtlich bei Reformwünschen aus den Pfarrhöfen zu enden. Im "Aufruf zum Ungehorsam" heißt es etwa beim Thema Zölibat: "Wir werden jede Gelegenheit nützen, uns öffentlich für die Zulassung von Frauen und Verheirateten zum Priesteramt auszusprechen."

In der Auseinandersetzung zwischen Schönborn und der Pfarrerinitiative setzt Prüller-Jagenteufel auf Gespräche: "Reden, reden und nochmals reden. Dann wird es eine für alle befriedigende Lösung geben." Wichtig wäre aber, den Konflikt "nicht öffentlich, also über die Medien" auszutragen.

Im erzbischöflichen Palais scheint man mit der kritischen Haltung im Mitarbeiterstab, zumindest offiziell, kein Problem zu haben. "Es gibt eine Meinungsfreiheit. Jeder kann Wünsche formulieren. Der Unterschied ist, dass die Pfarrerinitiative die Phase des Wünschens verlassen hat und sagt ‚Wir machen das so‘" , erläutert Schönborn-Sprecher Michael Prüller, übrigens der Bruder der Pastoralamtsleiterin. (Markus Rohrhofer, DER STANDARD; Printausgabe, 24.8.2011)