Die erste Oberösterreicherin ist sie ganz sicher und auch die erste Österreicherin, die auf 14, also allen Achttausendern dieser Welt stand. Sie ist die Erste aus Spital am Pyhrn, die erste Krankenschwester, die erste 40-Jährige, die erste Brünette. Das alles, sagt sie, ist ihr "ganz egal". Was insofern glaubhaft ist, als Kaltenbrunner sich schon zurückhielt, als es noch um den Titel "allererste Frau" gegangen ist. "Mir egal", hat sie gesagt, sich nicht unter Druck setzen lassen.

Dreimal seit 2007 hatte sie den K2 unverrichteter Dinge wieder verlassen, er ist wetterbedingt in jüngerer Vergangenheit schwieriger zu besteigen als früher. Und so zogen zwei Frauen quasi vorbei, die Südkoreanerin Oh Eun-sun fand 2010 kurz vor der Spanierin Edurne Pasaban das 14. Gipfelglück. Hierzulande sowieso und speziell in Bergsteigerkreisen gilt allerdings Kaltenbrunner als Nummer eins, ist doch sie allein völlig ohne Zuhilfenahme von künstlichem Sauerstoff oder anderen technischen Hilfsmitteln ausgekommen. "Für mich ist Bergsteigen nicht wegen des Risikos besonders", sagt sie freilich, "sondern wegen der grandiosen Gegenden und der intensiven Momente."

Der Gemeindepfarrer von Spital am Pyhrn, Erich Tischler, hat in Kaltenbrunner das Interesse am Bergsteigen geweckt. Sie begann zu klettern und nahm schon während ihrer Ausbildung zur Krankenschwester jede Gelegenheit wahr, in Fels und Eis und Schnee an ihrer Technik zu feilen. Seit 2003 ist sie Profi, mit Vorträgen und dank Sponsoren findet sie ihr Auskommen. Einer ihrer wichtigsten Partner ist Karl Gabl von der Wetterdienststelle Innsbruck. Er versorgt sie mit Daten, erstellt Prognosen, gibt Tipps. Ganz aktuell hat er für den K2 das Schönwetterfenster berechnet, das Kaltenbrunner gemeinsam mit dem Polen Darius Zaluski sowie den Kasachen Maxut Zhumayev und Vassiliy Pivtsov zum Aufstieg nützen konnte. Kasachen übrigens haben Kaltenbrunner, als sie im hüfthohen Schnee an ihnen vorbeizog, den Spitznamen "Cinderella Caterpillar" verliehen.

Kaltenbrunners Ehemann Ralf Dujmovits war ebenfalls mit am K2, verfolgte ihren Aufstieg vom Basislager aus. Er leitet ein Bergsteigerunternehmen in Bühl am Schwarzwald, wo die beiden leben. Natürlich haben sie sich in den Bergen kennengelernt, natürlich standen sie gemeinsam auf vielen Gipfeln. Dujmovits war der erste Deutsche auf allen 14 Achttausendern, das ist ihm "ganz egal". Ihr natürlich auch.  (DER STANDARD PRINTAUSGABE 24.8. 2011)