Rohstoffexperte Uwe Bergold glaubt an Gold, hängt aber nicht an ihm

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Vermögensverwalter und Rohstoffexperte Uwe Bergold über Gold als Fieberthermometer der Geldwertstabilität und warum er am Höhepunkt des Goldbooms dennoch - ohne mit der Wimper zu zucken - verkaufen will.

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derStandard.at: Herr Bergold, was macht Gold zu Gold? Warum ist das Edelmetall mit dem lateinischen Namen Aurum DIE Krisenwährung?

Uwe Bergold: Gold ist der einzige Rohstoff, der auch Geld darstellt. Und zwar sogenanntes „Marktgeld", das offiziell noch immer Devisenreserve ist. In einer kontraktiven Phase, die von einem Börsen- und Weltwirtschaftsabschwung gekennzeichnet ist, und wie wir sie seit dem Jahr 2000 erleben, behält deshalb Gold real seinen Wert oder steigert ihn sogar. Der Goldpreisanstieg in jeder Papierwährung - ob Dollar, Euro oder Yen - ist nur eine inflationäre Illusion, welche die Geldentwertungsgeschwindigkeit der jeweilig einzelnen Währung anzeigt. Wir leben seit dem Jahr 2000 in einer strategisch wirtschaftlichen Abschwungphase, in der derjenige am meisten gewinnt, der am wenigsten verliert.

derStandard.at: Stichwort "Seltene Erden". Diese Metalle sind notwendig für Schlüsseltechnologien wie Elektromotoren, Batterien, Plasma- und LCD-Bildschirme oder Spezialgläser. Sind die seltenen Erden angesichts ihrer Bedeutung für die Zukunft für ihre Rohstoff-Fonds interessant?

Bergold: Nein, kein Rohstoff wird Gold oder Silber schlagen, weshalb wir an dem illiquiden seltenen Erden-Investment nicht interessiert sind.

derStandard.at: Der Goldpreis ist in diesem Jahr rund 30 Prozent gestiegen? Wie wird sich der Goldpreis bis zum Ende des Jahres entwickeln?

Bergold: Für Ende 2011 sehe ich den Goldpreis bei 2.000 Dollar. Im Jahr 2012 sollte er die 3.000-Dollar-Schwelle erreichen, die ich im Jahr 2002 - damals stand der Goldpreis bei 320 Dollar - für spätestens 2012 angekündigt habe.

derStandard.at: Wie viel Prozent des weltweiten Vermögens bestehen eigentlich aus Gold?

Bergold: Derzeit liegt der Prozentsatz des Goldes und der Börsenkapitalisierung der Goldminen - die noch nicht gefördertes Gold im Boden verkörpern - im Vergleich zum Weltfinanzvermögen bei ca. zwei bis drei Prozent. In der Geschichte lag dieser Wert am Hochpunkt der Gold- und Goldminen-Hausse immer bei 25 - 30 Prozent! Also der Goldpreis und die Goldminen haben noch einen weiten Weg vor sich, bis dann die Blase platzt!

derStandard.at: Sie haben gesagt, dass der Goldpreis auch immer etwas über die Geldentwertung aussagt. Glauben sie, dass die Inflation stark steigen wird?

Bergold: Der Goldpreis läuft der offiziellen Inflation immer voraus und die steigt mit zunehmender Krisenbekämpfung durch weiteres Beschleunigen des Geldmengenwachstums. Der Goldpreis war und ist schon immer das Fieberthermometer reziprok zur Geldwertstabilität. Je stärker er steigt, desto mehr verliert die Währung an Kaufkraft. Die Inflation ist immer Geldmengenwachstum pro Produktionseinheit. Die Konsumgüterpreissteigerung, bedingt durch Rohstoffpreis- und daraufhin Erzeugerpreisanstiege, ist die Folge dieses Prozesses, mit einem Timelag von ca. sechs bis zwölf Monaten.

derStandard.at: Der deutsche Börsen-Leitindex Dax, der sich Ende Juli noch am gleichen Niveau wie zu Beginn des Jahres befand, ist seit Anfang August um rund 20 Prozent zurückgegangen. Machen die nun günstigeren Kurse Nicht-Rohstoff-Aktien für Sie wieder interessant?

Bergold: Wenn die reale, sprich inflationsbereinigte, Aktienbaisse, die im Jahr 2000 begonnen hat, beendet ist - und dies wird in diesem Jahrzehnt passieren - dann werden wir alle Edelmetall- und Rohstoffaktien verkaufen und wieder komplett in Standardaktien investieren, so wie wir es in den 1980er und 1990er Jahren gemacht haben.

derStandard.at: Welchen Rat haben sie für Privatanleger? Wie hoch sollte der Gold-Anteil sein?

Bergold: Aktuell 30 Prozent Gold und Silber in Münzenform und den Rest in Rohstoffaktien, mit dem Schwerpunkt auf dem Edelmetallsektor. Das sind die an der Börse notierten Rohstoffproduzenten. Hierunter zählen Edelmetallaktien, wie Gold- und Silberminen oder Basismetallaktien, wie Kupfer- und Nickelproduzenten. Auch der Energiesektor mit Öl- und Kohleproduzenten zählt zu den Rohstoffaktien. In diesen Rohstoffaktiensektor legen wir - neben den Edelmetallen Gold und Silber - seit dem Frühjahr 2001 unseren Investmentschwerpunkt, nachdem wir im März 2000 den Standardaktiensektor verlassen hatten.

Wenn die strategische Aktienbaisse zu Ende ist, dann sollte man sich aber von allen Edelmetall- und Rohstoffengagements trennen und wieder komplett in den Standardaktienmarkt wechseln, so wie wir es tun werden. (Hermann Sussitz, derStandard.at, 25.8.2011)