Wien - aws-Geschäftsführer Johann Moser fordert eine Mehrheitsbeteiligung der ÖIAG an dem vor dem Verkauf stehenden börsenotierten Mischkonzern A-Tec. Dies sei ein potenzieller "Pilotfall" für den Vorschlag von ÖIAG-Chef Markus Beyrer, die staatliche Industrieholding für zeitlich befristete, größere Beteiligungen zu nutzen. Die ÖIAG sei dabei ein "Vehikel, das derzeit still steht", sagte Moser am Mittwoch.

Drei A-Tec Töchter - die Tiroler Montanwerke Brixlegg, der Salzburger Werkzeugmaschinenbauer Emco und die Motorensparte ATB in Spielberg - würden weltweit über 5.000 Mitarbeiter haben und jeweils positiv bilanzieren. Solche Unternehmen dürfe die Republik nicht aufs Spiel setzen, argumentiert Moser. Der Staat könne hier "als Katalysator agieren" und Bewegung in eine verfahrene Verkaufssituation wie im Falle von A-Tec bringen. Zudem würden ausländische Investoren, beispielsweise Staatsfonds, oftmals problematische Interessen verfolgen.

Gläubiger verwundert über langen Verkaufspoker

Derweil wundern sich die Gläubigervertreter über die mangelnde Informationspolitik des A-Tec-Aufsichtsrats. Der hatte heute getagt, die Ergebnisse seien aber vertraulich, ließ A-Tec-Chef Mirko Kovats ausrichten. Dabei sollte der Aufsichtsrat die Angebote für den Kovats-Konzern bzw. deren Bewertung durch den Wiener WU-Ökonomen Leo Chini beraten, die von der A-Tec in Auftrag gegeben wurde. KSV-Insolvenzexperte und Gläubigervertreter Hans-Georg Kantner zeigt sich über die Länge des Pokers um die A-Tec im Gespräch verwundert.

Kantner zufolge war man Anfang Juli noch zuversichtlich, dass es aufgrund von mehreren Angeboten rasch zu einem Verkauf komme, dass bis heute noch immer "kein fertig unterschriebener Vertrag am Tisch liegt", sei für ihn überraschend. Er betonte, dass die Zeit unerbittlich voranschreite und die 47-prozentige Quote per Ende September erlegt werden müsste. Sollte das Geld nicht erlegt werden, dann habe ab 1. Oktober 2011 Treuhänder Matthias Schmidt die Verpflichtung gegenüber den Gläubigern, die A-Tec "optimiert" zu verkaufen, so Kantner.

Der Verkauf muss mindestens rund 210 Mio. Euro bringen, damit die Quote erfüllt werden kann.

Die Zeit drängt

Allerdings ist der Gläubigervertreter auch weiterhin zuversichtlich, dass es zu diesem Schritt nicht komme werde - auch wenn die Zeit aus seiner Sicht schon dränge, denn ein Verkauf der A-Tec würde ja einige formale Schritte wie etwa behördliche Genehmigungen nach sich ziehen. So ein Deal sei ja nicht "mit dem Kauf einer Zeitung am Kiosk" vergleichbar, sagte Kantner. Vor dem Verkauf durch den Treuhänder Schmidt fürchtet sich Kantner aber nicht, da ja sich die Unternehmenszahlen und die Auftragslage gebessert hätten.

Kritik ließ Kantner auch am A-Tec-Aufsichtsrat durchklingen, von dem er seit Juli nur wenig gehört habe. Er würde es nicht verstehen, wenn der Aufsichtsrat "einen Deal vorbeiziehen" lassen würde. Immerhin sei er auch den Eigentümern verantwortlich.

Die tschechisch-slowakische Finanzgruppe Penta hat nach eignen Angaben ein Angebot für die Übernahme der A-Tec gelegt, das bis Ende August befristet ist. Darüber hinaus werden als Interessenten der Hedgefonds Springwater und der pakistanische Milliardär Alshair Fiyaz genannt.

In den ersten sechs Monaten 2011 steigerte A-Tec mit rund 5.500 Mitarbeitern den Umsatz um 15,8 Prozent auf 808,1 Mio. Euro. Nach Steuern blieb ein Gewinn von 24,6 Mio. Euro - nach einem Verlust von 10,2 Mio. Euro im ersten Halbjahr 2010. (APA)