Wien - Über den Sommer kamen Rot und Schwarz bei der Heeresreform keinen Zentimeter vom Fleck - denn erst im September nehmen Verteidigungsminister Norbert Darabos (SPÖ) und Innenministerin Johanna Mikl-Leitner (ÖVP) wieder die Verhandlungen auf. Im Gegensatz zu Darabos, der ein Freiwilligenheer und damit die Abschaffung der Wehrpflicht anstrebt, will die ÖVP nun einen "Österreich-Dienst" einführen, der von mehr jungen Männern als bisher zu absolvieren wäre.

Denn die Schwarzen wollen die Tauglichkeitskriterien adaptieren, um die Zahl der Ausgemusterten (etwa 15 Prozent eines Jahrganges) zu reduzieren. Zu diesem Zweck möchten die Bürgerlichen, dass man sich bei den Stellungen an den strengen Berufsunfähigkeitsbestimmungen des Sozialrechts orientiert.

Beim "Österreich-Dienst" sollen die Achtzehnjährigen zwischen drei Sparten wählen können: dem klassischen Wehrdienst, einem neuen Katastrophenschutzdienst und dem herkömmlichen Zivildienst - hier wären weiterhin neun Monate abzuleisten; im Gegensatz zu den beiden anderen Diensten: Dafür sehen Mikl-Leitner & Co jeweils fünf Monate für Ausbildung und ein Monat für Übungen oder Einsätze bis zum 25. Lebensjahr vor. Wer will, kann aber auch - wie jetzt - sechs Monate durchdienen.

In den letzten Tagen tauschte man in der alten Streitfrage neue Unfreundlichkeiten aus. ÖVP-General Johannes Rauch nannte Darabos "überfordert" . Der SPÖ-Minister behauptete, das ÖVP-Modell nicht zu kennen. Tatsächlich gab es bisher keine Präsentation der ÖVP-Pläne - sondern eben jene Vorschläge, die über diverse Medien lanciert wurden. (nw, DER STANDARD; Printausgabe, 26.8.2011)