Wien - Eine Internationale Männergesundheitswoche (9. bis 15. Juni) stellt die Förderung gesundheitsbewussten Verhaltens weltweit ins Rampenlicht. In einer Aussendung betonte jetzt die International Society for Men's Health (ISMH) die Bedeutung einer geschlechtsbezogenen Medizin auch für Männer.

Burschen und Männer sind demnach gegenüber Mädchen und Frauen benachteiligt, wenn es um ihre Gesundheit geht. In vielen Fällen sind es nicht körperliche Unterschiede, sondern "männliche" Verhaltensweisen und ein ungesunder Lebensstil, welche die Schäden verursachen.

"Krise in der Männergesundheit"

Viele Experten in ganz Europa sprechen in diesem Zusammenhang gar von einer "Krise in der Männergesundheit". Die Gründe dafür: Die Lebenserwartung von Männern ist unnotwendig kurz und viele von ihnen sterben an Krankheiten, die vermeidbar gewesen wären. Haupt-Todesursachen von Männern sind z.B. Herz-Kreislauf-Krankheiten, Prostata-, Lungen- und Dickdarmkrebs, Diabetes, sowie Leber- oder Nierenleiden.

Hinzu kommt die "männliche Psyche": Männer leben "gefährlicher" als Frauen: Sie sterben sechs Mal häufiger bei Autounfällen. Auch die Selbstmordrate ist bei Männern deutlich höher. Männer könnten, so sind sich Experten einig, ihre Lebensqualität aber ebenso durch einfache Modifikationen ihres Lebensstils erhöhen: Stressvermeidung, nicht Rauchen oder Alkohol nur im Maßen.

Angst vor dem Arzt

Männer gehen schließlich trotz Beschwerden häufig nicht zum Arzt, wollen über ihre gesundheitlichen Probleme nicht sprechen und nehmen nur sehr vereinzelt Vorsorge-Möglichkeiten wahr. Vor allem, wenn ihr Geschlechtsleben involviert ist, agieren sie oft "sprachlos": So sind Erektionsstörungen sehr häufig noch ein Tabu.

Veranstaltungswoche

Um weltweit das Thema "Männergesundheit" ins Rampenlicht der Öffentlichkeit zu rücken und Bewusstsein für männerorientierte medizinische Forschung, Diagnosestellungen und Behandlungsformen zu schaffen, findet von 9. bis 15. Juni rund um den Globus die Internationale Männergesundheitswoche statt.

Der Internationalen Gesellschaft für Männergesundheit (International Society for Men's Health; ISMH) ist es anlässlich des 2. Weltkongresses für Männergesundheit vergangenes Jahr in Wien gelungen, diese Aktivität im Jahr 2003 erstmals weltweit zu synchronisieren. Es geht vor allem um Information über die speziellen Gesundheitsrisiken der Männer und über entsprechende Vorsorgestrategien. In vielen Ländern werden Männern von Ärzten, Spitälern und ähnlichen Einrichtungen gratis spezielle Programme im Bereich der Präventivmedizin angeboten, die sie ermutigen sollen, "auf sich zu schauen".

Andere Bedürfnisse

Der Wiener Internist und Präsident der Gesellschaft, Univ. Prof. Dr. Siegfried Meryn Meryn merkte jedoch auch kritisch an, dass die Gesundheitssysteme selbst nicht aus der Verantwortung entlassen werden können, wenn es um das "Problem Männergesundheit" geht: "Die Gesundheitssysteme in fast allen Ländern haben lange negiert, dass Männer andere 'Gesundheitsbedürfnisse' haben als Frauen". Daher gelte es, Maßnahmen zu ergreifen, Männern einen besseren, effektiveren und adäquateren Zugang zu Gesundheitsleistungen zu ermöglichen.(APA/red)