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Vorschläge der Regierung wie das Kindergeld sind für Barbara Prammer gänzlich inakzeptabel.
Reuters/LEONHARD FOEGER
Wien - SPÖ-Bundesfrauenvorsitzende Barbara Prammer hat am Montag Abend die geplante Pensionsreform der Regierung im Rahmen der Podiumsdiskussion "Was soll und was kann Politik für Frauen leisten?" erneut kritisiert.

"Erwerbstätigkeit, staatliche Unterstützungen und eine ausreichende Mindestsicherung" sind die drei Ebenen, die Frauen zu einer gerechten und eigenständigen Alterspension verhelfen sollen, betonte Prammer. "Berufsausübung muss die Norm sein, wenn das so ist, wird vieles leichter" und weiter: "Nicht Lippenbekenntnisse würden Frauen helfen, sondern vielmehr rechtliche Absicherung".

Vorbild Skandinavien

Als Vorbild müsse das "Modell Skandinavien und nicht das Modell Süd-Europa" dienen, so die SPÖ-Bundesfrauenvorsitzende. Das Kindergeld der Regierung nütze nichts, wenn es nicht genügend Kinderbetreuungseinrichtungen gibt, kritisierte Prammer. Es sei zwar ein weiter Weg dorthin, gab Prammer weiters zu bedenken, aber "Männer müssten noch viel mehr ein Teil der unbezahlten Hausarbeit werden". Derzeit sei es nämlich immer noch so, dass Frauen hauptsächlich die schlechter bezahlten Jobs machen würden. Durch eine ausreichende Mindestsicherung müsse hier Abhilfe geschaffen werden.

Insbesondere die Kinderziehungszeiten müssten nachgebessert werden, forderte Prammer, vor allem, wenn ein Lebensdurchrechnungszeitraum für alle Pensionen, wie von der Regierung geplant, eingeführt werde. Prammer: "Die Lebensdurchrechnung ist nur dann gerecht, wenn es faire Ersatzzeiten für Frauen gibt."

Kinderbetreuung

Ein weiterer Diskussionspunkt war die Vereinbarkeit von Familie und Beruf, die nur durch ausreichend vorhandene Kinderbetreuungseinrichtungen gewährleistet werden könne, so Prammer. Das Problem sei aber erst dann gelöst, wenn es einen Rechtsanspruch gibt. Wichtig sei in diesem Zusammenhang auch ein Recht auf Teilzeit und freie Arbeitszeitgestaltung, so wie in den skandinavischen Ländern, wo es "einen Rechtsanspruch auf Zeitautonomie" gebe. Prammer forderte auch die Einrichtung von mehr Ganztagsschulen, die es berufstätigen Müttern wesentlich leichter machen würden. Am Land sei der Druck auf Frauen wesentlich stärker, "sich angepasst und wohlfeil" zu verhalten und sich dem Familienleben unterzuordnen, gab Prammer zu bedenken. Dies sei ein Stadt-Land-Gefälle, das die Politik nicht akzeptieren dürfe.

Mehr Geld für kürzere Karenz

Kinderbetreuungseinrichtungen müssen in einem ausreichenden Maß vorhanden sein, wiederholte Prammer immer wieder. Jedoch wolle niemand Eltern dazu zwingen, ihre Kinder in solche Einrichtungen zu geben, aber es dürfe sich auch "niemand die Füße wund laufen, um solche zu finden". Verbunden müsse dies aber mit einer Arbeitszeitautonomie werden, so Prammer weiter, die den "Familien und Kindern wieder mehr gewonnene Zeit" bringen würde. Kritik übte die SPÖ-Bundesfrauenvorsitzende abermals am Kindergeld, das flexibler gestaltet werden müsse. Prammer forderte, die Wahlfreiheit, nämlich die Dauer des Kindergeldes selbst zu bestimmen, den Eltern zu überlassen. Prammer: "Wer halb so lang in Karenz geht, bekommt das Doppelte ausbezahlt." Auch eine zwischen Mann und Frau getrennte Kontoführung für das Kindergeld sei "autonomer und flexibler". Witwenpension, Kindererziehungszeiten, Arbeitslosenunterstützung, diese "klar definierten Töpfe" müsse man transparenter gestalten. (red)